Wifo: Zuwanderung drückt auf Einkommen und Wirtschaftswachstum

3. März 2016, 09:10
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Verhältnismäßig hohe Inflation knabbert an den Realeinkommen, Zuwanderung drückt auf Löhne

Wien – Die Wachstumsschwäche der heimischen Wirtschaft hänge nicht damit zusammen, dass Österreich an Wettbewerbsfähigkeit verloren habe. Vielmehr würden die hohe Inflation und Zuwanderung dafür sorgen, dass die Realeinkommen nicht steigen, schreibt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einer Analyse. Das schwäche den Konsum und damit das Wachstum.

Der zusätzliche Konsum, der durch die Zuwanderung entsteht, scheine den negativen Effekt der schwächeren Lohnentwicklung nicht auszugleichen, sagt Stefan Schiman auf Nachfrage des STANDARD. "Der Konsum ist seit 2012 nicht mehr gestiegen."

Schon länger hohe Zuwanderung

Den Prognosen der Forschungsinstitute, wonach die Versorgung der Flüchtlinge für etwas mehr Wachstum sorgt, widerspricht das nicht. Dabei handelt es sich um Sondereffekte, sagt Schiman, und nicht um eine Ankurbelung der Dynamik. Die Zuwanderung nach Österreich ist nicht erst seit der Ankunft vieler Flüchtlinge im Vorjahr hoch. Schon seit Jahren kommen viele Menschen aus Osteuropa, die oft sehr gut qualifiziert sind.

Noch dürften die Flüchtlinge auch nicht auf die Löhne drücken, weil der Großteil noch gar nicht am Arbeitsmarkt gelandet ist. Der Wifo-Ökonom bezieht sich auf die seit längerem starke Zuwanderung. Gleichzeitig geht Schiman aber davon aus, dass die derzeit hohe Migration auch in den nächsten Jahren für Druck auf die Löhne sorgen dürfte.

Hohe Inflation frisst Einkommen

Dass Österreich eine der höchsten Inflationsraten in Europa habe, sei darüber hinaus nicht im mangelnden Wettbewerb zwischen Firmen begründet, schreibt Schiman. Die Teuerung sei durch den Zustrom an Touristen getrieben, gleichzeitig steige der Wohnbedarf in den Zentren, was die Preise für Gastronomie-, Freizeit- und Kulturdienstleistungen sowie Immobilienpreise und Mieten anheize. Das knabbert den Menschen ihre Lohnerhöhungen weg.

Das zuletzt stärkere Wachstum der deutschen Wirtschaft liege großteils an der positiven Entwicklung des privaten Konsums. Die Löhne und Gehälter entwickeln sich dort besser, weil die Arbeitslosigkeit sinkt, schreibt Schiman. In Österreich sei das Gegenteil der Fall. Die Arbeitslosigkeit steige auch deshalb so stark, weil so viele Menschen nach Österreich zuwandern. Das drücke die Löhne und damit den privaten Konsum. (sat, 3.3.2016)

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