Schuldenmachen wird zum Geschäftsmodell

3. März 2016, 07:00
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Immer öfter verdienen Staaten Geld mit der Kreditaufnahme. Das niedrige Zinsumfeld entlastet die Kassen der Regierungen

Wien – Die Finanzwelt steht kopf. Immer öfter sind Investoren bereit, Geld zu zahlen, um Staaten Geld borgen zu können. Am Mittwoch war es in Deutschland wieder so weit. Die Finanzierungsagentur der Bundesrepublik hat eine fünfjährige Anleihe mit negativer Rendite emittiert.

Anleihen sind Schuldverschreibungen, bei denen der Emittent von Investoren auf Zeit Geld geborgt bekommt. Dafür muss der Staat laufend Zinsen bezahlen. Doch die Bundesrepublik erhielt mehr Geld von ihren Gläubigern, als sie in fünf Jahren zurückzahlen muss. Die reale Verzinsung auf das Papier, man spricht von der Rendite, ist also negativ. Erst bei Krediten mit einer Laufzeit von über fünf Jahren muss Deutschland Zinsen zahlen. In Japan ist die Situation noch extremer. Am Dienstag hat das am höchsten verschuldete Land der Erde erstmals eine zehnjährige Staatsanleihe mit Negativrendite begeben.

Massive Markteingriffe

Analysten verfolgen diese Entwicklung erstaunt mit. Verantwortlich für das Zinstief sind die massiven Markteingriffe der Notenbanken in Japan und Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Staatsanleihen im großen Stil auf. Damit steigen die Kurse für die Papiere am Sekundärmarkt, wo Investoren die Anleihen untereinander handeln können. Das drückt automatisch die Rendite nach unten – bei Anleihen bewegen sich Kurse und Zinsen immer gegengleich.

Nach Schätzungen der Deutschen Bank ist die Rendite bei mehr als 40 Prozent der am Markt gehandelten Staatsanleihen von Euroländern negativ. Dieser Wert legte zuletzt noch einmal zu. Auch zehnjährige deutsche Staatsanleihen und sogar österreichische Papiere sind nicht mehr weit von der Nulllinie entfernt.

Negative Zinsen

Zudem führt diese Entwicklung am Sekundärmarkt dazu, dass Staaten immer öfter Schuldverschreibungen mit negativem Zins begeben können. 2015 emittierte die deutsche Finanzagentur Staatsanleihen im Wert von 186,5 Milliarden Euro. 77 Milliarden Euro davon wurden mit negativer Rendite angesetzt. In Österreich wurde 2015 erstmals eine länger laufende Anleihe mit Negativzins begeben. In der kommenden Woche dürfte es wieder so weit sein.

An der Tendenz wird sich in naher Zukunft nicht ändern, eher im Gegenteil, sagt Gottfried Steindl, Analyst bei der Raiffeisenbank International. Sollte die EZB in der kommenden Woche ihre geldpolitischen Maßnahmen ausweiten, dürften die Renditen für Staatsanleihen weiter sinken. (András Szigetvari, 3.3.2016)

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  • Weitet die EZB ihre Geldpolitik nächste Woche aus, könnten die Renditen noch weiter sinken
    foto: apa/dpa/frank rumpenhorst

    Weitet die EZB ihre Geldpolitik nächste Woche aus, könnten die Renditen noch weiter sinken

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