Hypo: Der Bad-Bank-Bonus war keiner

2. März 2016, 17:49
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Kranebitter: "Hätte von Abbaulösung nicht profitiert"

Wien – Weil den Abgeordneten beim ersten Mal zu wenig Zeit für zu viele Fragen blieb, saß Ex-Hypo-Chef Gottwald Kranebitter am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen im Untersuchungsausschuss. Der frühere Berater, der Anfang 2010 das Kommando in der Bank übernahm, musste sich dabei den Vorwurf anhören, er hätte finanziell profitiert, wäre noch unter seiner Ägide eine Bad Bank für das marode Institut gekommen.

Wenig überraschend kam diese These von der ÖVP-Abgeordneten Gabriele Tamandl. Sie setzt sich im U-Ausschuss dafür ein, die Entscheidung ihrer Parteikollegin und ehemaligen Finanzministerin Maria Fekter gegen eine Abbaulösung ins rechte Licht zu rücken. Tamandl wollte darauf hinaus, dass Kranebitter einen Bonus kassiert hätte, wenn die guten Teile der Bank verkauft und die schlechten Teile in eine Bad Bank ausgelagert worden wären.

Unterstellungen

Das könne er ausschließen, er weise diese "Unterstellungen" zurück, konterte Kranebitter. Gute und schlechte Teile wären zusammengerechnet worden. Die Bonifikationen hätten für alle Vorstände bis zum 3,5-fachen Jahresbezug reichen können. Dieser machte 650.000 Euro aus.

Auch Tamandls Frage, ob Boni nach Verkauf der Assets über Buchwert vereinbart wurden, verneinte Kranebitter. Genauere Angaben könne er machen, wenn der Boni-Vertrag vorgelegt werde. Das aber konnten die Abgeordneten am Mittwoch nicht bewerkstelligen. Die ÖVP-Abgeordnete blieb trotzdem bei ihrer Sichtweise: Kranebitter könne die Vorwürfe nicht entkräften.

Auch den Eindruck, man hätte die Bank 2011 schließen sollen, wies Kranebitter "entschieden" zurück. Bankenpleiten dauerten in der Regel zehn Jahre, bei einer Insolvenz hätte ein Verlust von 14 Milliarden Euro gedroht.

Pleiteoption zurückgewiesen

Auch die Osteuropabank EBRD und die Weltbank, die sich kritisch mit der Bank auseinandergesetzt haben, hätten die Weiterexistenz der Hypo nicht in Frage gestellt, argumentierte Kranebitter. Die Diskussion über eine Abbaulösung schilderte er so: Ende 2011 stimmte der Aufsichtsrat dieser Option nicht zu, weil die interne Restrukturierung bevorzugt wurde. 2012 erfolgte ein neuerlicher Versuch – hätte eine Bad Bank doch den Kapitalbedarf minimiert. Doch "die Eigentümerin" (Maria Fekter) wollte nicht, sagt Kranebitter – wegen der Schuldenerhöhung für den Staat.

Erst 2013 wurde die Bad Bank ernsthaft verfolgt, ihre Gründung 2014 tatsächlich in Angriff genommen. Warum dann der Rücktritt Kranebitters im August 2013, wollte Tamandl wissen. Das lag vor allem an der Entscheidung der EU-Kommission, die Bank de facto zu zerschlagen. "Damit war ich nicht einverstanden", so Kranebitter. Auch die CSI Hypo habe zum Rücktritt beigetragen. (as, smo, 2.3.2016)

  • Gottwald Kranebitter wehrte sich im U-Ausschuss gegen Vorwürfe der ÖVP
    foto: apa/herbert neubauer

    Gottwald Kranebitter wehrte sich im U-Ausschuss gegen Vorwürfe der ÖVP

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