Republik macht Gans Heta knuspriger

2. März 2016, 17:45
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Das neue Zusatzangebot könnte den Haircut von 25 auf 17 Prozent verringern. Die Heta-Gläubiger rechnen noch

Wien – Die Gans wird knuspriger. Das könnte man, in Anlehnung an Commerzbank-Chef Martin Blessing sagen, dessen Institut Heta-Anleihen hält, und der das bis 11. März gültige Rückkaufangebot jüngst so kommentiert hatte: "Die Gans wird in den letzten fünf Minuten knusprig."

Diese letzten Minütchen sind zwar noch nicht angebrochen – dennoch hat Finanzminister Hans Jörg Schelling das Angebot, die Anleihen um 75 Prozent rückzukaufen, am Montagabend aufgepeppt. Er will die "aufmüpfigen" Gläubiger ins Boot holen, indem er ihnen nach Annahme des Anbots und Auszahlung der 75 Prozent den Erwerb von 18 Jahre lang laufenden Null-Kupon-Staatsanleihen (ohne Zinsen) um diesen Betrag anbietet.

Zwei Drittel müssen zustimmen

Zur Erinnerung: Zwei Drittel der Gläubiger müssen zustimmen, damit der Deal durchgeht. Die aufmüpfigen Gläubiger, die hundert Prozent wollen, repräsentieren aber mit mehr als fünf Milliarden Euro ein Anleihevolumen rund die Hälfte.

Zerobonds werden zu Ausgabekursen unter Nominale emittiert, in den Bilanzen können die Investoren die 100-prozentige Rückzahlung zum Ende der Laufzeit einstellen. Oder die staatlich garantierten Papiere am Sekundärmarkt versilbern.

Nicht aus der Deckung

Die Gläubiger wollten am Mittwoch nicht so recht aus der Deckung, man werde das Umtauschangebot durchrechnen und sich Ende der Woche dazu äußern. Allerdings könnte es dem Finanzminister mit seinem Zusatzangebot gelingen, "die geschlossene Phalanx der kritischen Gläubiger aufzubrechen", meinte ein mit der Sache Vertrauter.

Hinter vorgehaltener Hand haben Investoren denn auch positiv bemerkt, dass sich Schelling "bewegt". Die Frage, ob die notwendige Mehrheit beim Schuldenschnitt zustande kommt, wurde meist offen gelassen. "Ob das jemanden hinter dem Ofen hervorlockt, bleibt abzuwarten", sagte der Rechtsvertreter einer Gläubigergruppe. Ein anderer erklärte, das Angebot sei nach wie vor zu gering. Vor allem für größerer Gläubiger könnte Schellings Süßstoff nicht ausreichend sein. Im Finanzministerium rechnet man jedenfalls mit einer "knappen" Entscheidung, hieß es am Mittwoch laut Reuters.

Anpassung des Plans gefordert

Einige plädieren für eine Anpassung des neuen Plans des Ministers – vor allem wegen der langen Laufzeit der Bundesanleihe. Beim vorgeschlagenen Kauf von 18-jährigen Papieren mit Nullkupon zum Kurs von 75 auf 100 Euro Nominale entspricht das laut Berechnungen des Finanzberaters Anton Karl einem Barwert von 83 Euro. Die Diskontierung beläuft sich bei dieser Laufzeit auf 1,07 Prozent. Deutlich attraktiver wäre er eine kürzere Laufzeit: Bei zehn Jahren müsste der Kredit an die Republik nur noch mit 0,45 Prozent jährlich abgezinst werden.

Offerierte Schelling siebenjährige Anleihen, würden die Gläubiger sogar hundert Prozent ihrer Forderungen bekommen, rechnet Karl vor. Für Österreich würde eine weitere Adaption keine höheren Ausgaben bedeuten, lediglich die Opportunitätskosten stiegen. Die sind aber nicht budgetwirksam, meinen Investoren.

Kärnten unbewegt

In Kärnten, das ja für Anleihen im Volumen von elf Milliarden Euro haftet und aus dessen Ausgleichszahlungsfonds KAF die 75 Prozent kommen sollen, zeigte man sich am Mittwoch vorsichtig. "Das Angebot des Bundes trägt dazu bei, dass das Angebot für die Gläubiger attraktiver wird. Für Kärnten ändert sich aber nichts", sagte Landesreferentin Gabriele Schaunig. Sie zielte damit wohl auch in Richtung jener Gläubiger, die einen höheren Beitrag Kärntens (1,2 Mrd. Euro) fordern. Immer wieder werden in dem Konnex die Kelag-Anteile genannt – die will das Land aber um keinen Preis versilbern. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 2.3.2016)

  • Finanzminister Hans Jörg Schelling lockt Heta-Gläubiger mit einer Bundesanleihe
    foto: cremer

    Finanzminister Hans Jörg Schelling lockt Heta-Gläubiger mit einer Bundesanleihe

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