Acht brennende Fragen zu "House of Cards"

3. März 2016, 05:30
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Ab Freitag regiert wieder der widerlichste US-Fernsehpräsident aller Zeiten. Ein Faktencheck vorab

Frage: Wer ist schlimmer: Frank Underwood oder Donald Trump?

Antwort: Im Moment schlägt die Realsatire die fiktionale Erzählung um Längen. Keine Rede des amtierenden Fernsehpräsidenten Frank Underwood konnte bisher die Trump'schen Gaga-Reden an gruseligem Unterhaltungswert übertreffen. Über die kriminelle Energie Underwoods darf man nicht hinwegblicken, die Schändlichkeit seiner Missetaten wird jedoch angesichts der Tatsache, dass Underwood eindeutig den besseren Friseur hat, relativiert.

Frage: Was bringt die neue Staffel? Achtung: Spoiler!

Antwort: Der Fernsehpräsident will eine zweite Amtszeit und hat eine Wahl zu schlagen. Aber Seine Abscheulichkeit geht geschwächt ins Rennen, hat er doch zuletzt sein holdes Weib vergrämt, das sich nun selbst in politische Ämter drängt und dadurch gröbere Wickel mit dem Ex provoziert. Zunächst landet sie bei ihrer Mutter, gespielt von der großartigen Ellen Burstyn. Herzenswärme ist von ihr vorerst nicht zu erwarten. Und wie immer gibt es allerorten dunkle Verschwörungen.

Frage: Wer hatte die Idee zur Serie?

Antwort: 1989 erschien der gleichnamige Politthriller des britischen Politikers Michael Dobbs, den die BBC mit Ian Richardson verfilmte. Das von ihm gespielte Ekel Francis Urquhart war anders als sein US-Pendant Konservativer. David Fincher (Fight Club) adaptierte die Serie und führte in der ersten Folge Regie.

Frage: Was hat "House of Cards" mit Shakespeare-Dramen zu tun?

Antwort: Wer die Serie schaut, kann viel über Shakespeare lernen Frank Underwood heckt wie Richard III. Finsteres aus und macht uns Zuschauer zu Mitwissern, indem er zu uns spricht. Die First Lady Claire Underwood hat zweifellos mehr von Lady Macbeth als von Michelle Obama.

Frage: Warum reden alle von der Netflix-Serie "House of Cards", und dann läuft die neue Staffel auf Sky?

Antwort: Klassischer Fall von dumm gelaufen. Zu einem Zeitpunkt, da Netflix in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch nicht am Markt war, sicherte sich Sky die Erstausstrahlungsrechte. Als das Onlineportal im September 2014 startete, gab sie der Abokanal nicht wieder zurück. Für Netflix-Kunden bedeutet das, dass es erst nach einer Frist von sechs Monaten weitergeht.

Frage: Was ist "House of Cards" wert?

Antwort: Als eine der ersten Originalserien hat House of Cards das Streamingportal groß gemacht. Nach der ersten Staffel explodierten die Abozahlen förmlich, die Schätzungen beliefen sich 2014 zwischen 17 und 23 Millionen. Dem stehen kolportierte Staffelkosten von je 50 Millionen Dollar und beträchtliche Gagenforderungen der Schauspieler gegenüber: allein Kevin Spacey soll 500.000 Dollar pro Folge kassieren.

Frage: Eine fünfte Staffel kommt fix. Ist das gut?

Antwort: Nachdem in der dritten Staffel eindeutige Ermüdungserscheinungen zu bemerken waren, schauen Serienexperten skeptisch in die Zukunft, zumal auch Showrunner Beau Willimon ausgetauscht wurde. In der Dramaturgie empfiehlt es sich, bei Shakespeare nachzuschlagen: Nach dem Machtrausch wartet der Untergang.

Frage: Soll Claire Underwood Präsidentin werden?

Antwort: Gendermäßig wäre es an der Zeit, allerdings hat sich die First Lady in der Vergangenheit auch nicht mit Ruhm bekleckert. Über Leichen zu gehen ist auch ihr bekannt. Umgekehrt ist fast alles die bessere Wahl als Frank Underwood. Und als Donald Trump. (Doris Priesching, 3.3.2015)

Trailer zur 4. Staffel

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  • Ein Held wie aus einem Shakespeare-Drama: Frank Underwood (Kevin Spacey) ist der niederträchtigste US-Präsident aller Zeiten. Auf Netflix und hierzulande Sky startet die vierte Staffel der gehypten Politthrillerserie.
    foto: reuters / carlo allegri

    Ein Held wie aus einem Shakespeare-Drama: Frank Underwood (Kevin Spacey) ist der niederträchtigste US-Präsident aller Zeiten. Auf Netflix und hierzulande Sky startet die vierte Staffel der gehypten Politthrillerserie.

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