Finanzprodukte bleiben online ein Ladenhüter

3. März 2016, 15:19
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Informationen über Finanzangebote holen heimische Verbraucher gern und oft im Internet ein, bevorzugen für den Abschluss aber den Berater

Wien – Bücher, Kleidung, Möbel und selbst Softwareprodukte gehen im Internet weg wie die warmen Semmeln. Wie eine Studie des Finanzmarketing-Verbands zeigt, sind Finanzprodukte in der Online-Welt hingegen auch im Jahr 2016 unverändert Ladenhüter. Demnach haben fast drei Viertel der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten zwar bei anderen Warengruppen zugegriffen, bei Finanzprodukten waren es jedoch nicht einmal sieben Prozent. Interessantes Detail: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten informiert sich zwar im Internet über Finanzangebote, schließt dann aber doch lieber bei einem Berater ab.

Persönlicher Kontakt

"Unsere Studie zeigt, dass die Konsumenten von Bank- und Versicherungsprodukten weiterhin den persönlichen Kontakt vorziehen", erläutert Verband-Vizepräsident Werner Schediwy die Ergebnisse. Den Wunsch, mit einem Berater zu sprechen, nannten fast 82 Prozent als einen der Gründe gegen einen Online-Kauf. Knapp 30 Prozent führten mangelnde Übertragungssicherheit an, zwölf Prozent empfinden einen Online-Geschäftsabschluss als zu kompliziert. Kein zeitliches Korsett durch Öffnungszeiten, generelle Zeitersparnis und kein Anfahrtsweg sind die häufigsten Argumente für einen Online-Abschluss.

Bei den Zahlungsmitteln im Internet werden Kreditkarte und Sofortüberweisung von mehr als der Hälfte der Befragten genutzt, gefolgt von Paypal, das inzwischen schon bei mehr als einem Drittel zum Einsatz kommt. Aber auch andere Zahlungsmethoden gewinnen sukzessive an Boden. Etwa jene des schwedischen Anbieters Klarna, die sich zwar steigender Bekanntheit erfreuen, aber erst bei vier Prozent der Befragten zum Einsatz kommen.

Shootingstar der Fintechs

Dabei verzeichnet Klarna, das mit einer geschätzten Bewertung von 2,25 Milliarden US-Dollar zu den Shootingstars der Fintech-Szene zählt, seit 2011 jährlich rund 40 bis 50 Prozent Wachstum, wie Christian Renk, Geschäftsführer der Österreich-Tochter, erläutert. Getragen werde diese Entwicklung natürlich auch von der zunehmenden Verbreitung von Online-Shops. In Österreich kooperiert Klarna mit rund 2.500 Händlern, monatlich kommen laut Renk weitere 120 dazu. Europaweit wird Klarna in 45.000 Online-Shops akzeptiert.

Neben einer Sofortüberweisung bietet das schwedische Unternehmen auch den sogenannten Rechnungskauf mit 14-tägigem Zahlungsziel an. Die Händler erhalten von Klarna eine Zahlungsgarantie, die Online-Käufer haben im Gegenzug Zeit, die angelieferte Ware zu begutachten. Dabei kooperiert Klarna, das im Besitz der Gründer sowie institutioneller Investoren steht, auch eng mit den Banken. Renk meint über das Verhältnis zu den Geldhäusern: "Die Banken erkennen, dass es Sinn macht, mit einem Fintech-Unternehmen zusammenzuarbeiten." (Alexander Hahn, 3.3.2016)

  • Waren aller Art werden gerne über das Internet gekauft, Finanzprodukte aber nicht.
    foto: kacper pempel

    Waren aller Art werden gerne über das Internet gekauft, Finanzprodukte aber nicht.

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