Der nunmehr älteste bekannte Landbewohner ist ein Pilz

3. März 2016, 10:00
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Mikrofossilien eines 440 Millionen Jahre alten Pilzes geben Einblick in die Entstehung des Lebens an Land

Durham – Sie sind 440 Millionen Jahre alt und stammen von einem Urpilz: Ein britischer Forscher identifizierte einige bereits in den 1980er Jahren gefundene Mikrofossilien aus Schottland und Schweden nun als älteste erhaltene Überreste eines an Land lebenden Organismus.

Die mikroskopisch kleinen Fäden des Urpilzes Tortotubus protuberans seien bereits ähnlich aufgebaut wie Myzelien moderner Pilze, so Studienautor Martin Smith von der Durham University. "Zur Zeit, als dieser Organismus bereits prosperierte, war das Leben noch fast ausschließlich auf die Ozeane beschränkt. Komplexere Organismen als Moose und Flechten hatten sich noch nicht entwickelt", so Smith. Denn dafür brauchte es erst die richtigen Bedingungen – vor allem einen aktiven Nährstoffkreislauf im Boden.

foto: martin r. smith
440 Millionen Jahre alte Myzelstrukturen.

Vorreiter an Land

Tortotubus und andere Pilze dürften dabei eine wichtige Vorreiterrolle gespielt haben: Sie stabilisierten Sedimente, setzten frühe Verrottungsprozesse in Gang und produzierten dadurch Stickstoff und andere Nährstoffe. Erst so entstanden fruchtbare Böden, in denen Pflanzen gedeihen konnten, die wiederum tierisches Leben an Land ermöglichten.

foto: martin r. smith

Smith konnte in seiner Studie im "Botanical Journal of the Linnean Society" zeigen, dass es sich bei den Fossilien nicht um unterschiedliche Pilzarten handelt, sondern um die selbe Spezies in unterschiedlichen Wachstumsstadien. "Der Fund schließt eine bedeutende Lücke in der Evolution des Lebens an Land", so der Biologe.

Offen bleibt aber die Frage, wodurch Tortubus und andere Pilze an Land zersetzt wurden. Smith vermutet, dass Bakterien und Algen dafür verantwortlich waren – doch Gewissheit können nur neue fossile Funde bringen. (red, 3. 3. 2016)

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