Investieren in die Perlen aus der zweiten Reihe

4. März 2016, 14:12
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Höhere Flexibilität wird vor allem mittelständischen Unternehmen zugeschrieben. Auch Fonds setzen auf dieses Segment

Wien – Damit auch Unternehmen von kleiner und mittlerer Größe an der Börse nicht untergehen, haben sowohl die Wiener Börse als auch die Börsen in Deutschland und der Schweiz ein eigenes Segment für den sogenannten Mittelstand geschaffen. In internationalen Small-Cap-Fonds sind diese Werte – vor allem jene aus dem heimischen Mid-Market – dennoch selten zu finden, obwohl sich diese Fonds auf KMUs spezialisiert haben. Und das, obwohl Studien immer wieder zeigen, dass sich die kleineren Unternehmen oft besser entwickeln als die großen Konzerne und vielfach sogar von den heimlichen Börsenstars gesprochen wird.

Der Grund für die geringe Präsenz ist, dass die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen in der Regel sehr klein ist. Das führt dazu, dass große Fonds – selbst wenn sie nur einen kleinen Teil investieren – sehr schnell einen beträchtlichen Anteil am jeweiligen Unternehmen halten würden. Daher haben kleine Unternehmen auch in diesem Segment oft das Nachsehen.

Die deutsche Privatbank Berenberg setzt hier nun ein Zeichen. Zum Jahreswechsel wurde der Fonds "Berenberg-1590-Aktien Mittelstand" aufgelegt, der ausschließlich in KMUs im deutschsprachigen Raum investiert. Das Fondsmanagement selektiert anhand fundamentaler Bewertungskriterien jene Unternehmen, die über eine dominante Position in einem spezialisierten Produkt- oder Marktsegment verfügen. Wichtig ist dabei auch, dass die jeweilige Gründerfamilie noch eine aktive Rolle in der Unternehmensleitung ausübt.

Bis zu fünf Milliarden Börsenwert

Ziel des Fonds ist es, durch die aktive Selektion der Unternehmen eine bessere Performance zu schaffen als der deutsche Mittelstandsindex MDax. Dafür will der Fonds mindestens zu 51 Prozent in Aktien investiert sein. Das Portfolio soll aus maximal 25 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bestehen. Der Börsenwert der Unternehmen soll laut der ältesten deutschen Privatbank aber die Marke von fünf Milliarden Euro nicht überschreiten. Der Jahresumsatz sollte unter drei Milliarden Euro liegen.

Aktuell ist der Fonds zu knapp 90 Prozent in deutschen KMUs investiert. Der Österreich-Anteil liegt bei 5,45 Prozent. Die Bereiche Industrie, Konsumgüter und Dienstleistungen sind derzeit die stärksten Branchen, Wirecard, CTS Eventim und Jungheinrich die drei größten Positionen.

Anfälliger für Schwankungen

Kleineren Unternehmen wird allgemein eine höhere Flexibilität zugeschrieben. Sie könnten daher in Krisen oder auf Innovationen schneller reagieren. Das macht sie aber auch anfälliger für Schwankungen, weswegen der Berenberg-Fonds eine höhere Risikoeinstufung aufweist. Im Falle starker Korrekturen an den Märkten oder bei Verwerfungen ist im Fonds auch die Absicherung über Aktien-Futures und Optionen möglich. Damit soll das Portfolio abgesichert werden, ohne dass Einzelaktien akut verkauft werden müssen.

In Summe richten Investoren ihren Fokus derzeit aber gerne wieder auf das Mittelstandssegment. Denn man schreibt diesen Unternehmen auch zu, ihre Hausaufgaben in der Finanzkrise erledigt zu haben und nun solide Bilanzen und eine gute Wettbewerbsposition zu haben. (Bettina Pfluger, 3.3.2016)

  • Es kann sich auch am Aktienmarkt auszahlen, wie dieser kuwaitische Taucher unter der Oberfläche nach Perlen Ausschau zu halten.
    foto: raed qutena

    Es kann sich auch am Aktienmarkt auszahlen, wie dieser kuwaitische Taucher unter der Oberfläche nach Perlen Ausschau zu halten.

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