Crowdfunding: Der Schwarm als Trägerrakete

5. März 2016, 08:00
11 Postings

Investoren verleihen Crowdfunding-Plattformen wie Green Rocket den nötigen Schub. Seit 2013 ist die grüne Rakete in der Luft, jetzt wird Deutschland angesteuert

Wien – Oktober 2013 haben Wolfgang Deutschmann und Peter Garber ihre grüne Rakete startklar gemacht. Seitdem haben die Unternehmer nur den österreichischen Himmel überflogen, heuer wollen die Gründer der Crowdinvesting-Plattform Green Rocket auch in deutsche Sphären vorstoßen. Das erste deutsche Projekt soll noch im ersten Halbjahr vorgestellt werden. Der Schwerpunkt von Green Rocket liegt dabei in den Bereichen Energie, Mobilität und Gesundheit. Vor einem Dreivierteljahr hat das junge Duo aus der Steiermark das Portfolio um Immobilien erweitert.

Finanzierung

Das Umsetzen guter Geschäftsideen oder der Firmenausbau scheitert oft an der Finanzierung. Für Start-ups, die Banken zu wenig Sicherheit bieten können und für Finanzierungsformen wie Private Equity und Venture-Capital zu klein sind, bietet Schwarmfinanzierung eine Möglichkeit, an das nötige Geld zu kommen. Für Kleinanleger eröffnet sich ein neues Investment-Universum, in dem sie mit niedrigem Volumen und wenig Aufwand in alternative Projekte investieren, die ihnen sinnvoll erscheinen. Die Brückenfunktion übernehmen Crowdinvesting-Plattformen.

Dass sich immer mehr Menschen für diese Anlageform interessieren, zeigt eine von der Wirtschaftskammer Österreich erhobene Statistik: Insgesamt wurden auf diesem Weg seit 2013 Investitionen in der Höhe von 11,1 Mio. Euro erreicht. 2015 wurden über die sechs in Österreich agierenden Plattformen Conda, das ErtragReich, Green Rocket, Home Rocket, Innovation Service Network (ISN) und Regionalfunding 44 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 8,1 Mio. Euro finanziert – ein Plus im Vorjahresvergleich von 335 Prozent. Die Plattform-Provisionen, die meist nur bei erfolgreichem Funding eingehoben werden, liegen laut Konsument.at zwischen fünf und zehn Prozent.

Wirtschaftlich und nachhaltig

Mit 24 Projekten von 21 Unternehmen und einem Volumen von 3,8 Mio. Euro seit der Gründung von Green Rocket führen Deutschmann und Garber das Feld an. Mehr als tausend Projekte seien ihnen vorgeschlagen – und zum Großteil abgelehnt worden, "da vieles davon reine Ideen waren", sagt Garber. "Ein Start-up muss gewisse Fortschritte in der Entwicklung seines Projekts vorweisen können", fügt Deutschmann hinzu. Etwa "dass mit seiner Innovation bzw. seinem Produkt ein Problem nachhaltig gelöst wird und es auch ein Geschäftsmodell wird". Sprich: Das Projekt muss wirtschaftlich und möglichst nachhaltig sein.

Das war etwa bei der Doppel-Wasserkraftschnecke der Fall. Dabei handelt es sich um einen von der niederösterreichischen Firma Hydroconnect entwickelten und weltweit ersten Fischlift, mit dessen Hilfe die Auf- und Abwärtswanderung von Fischen und Kleinstlebewesen an Staustufen bei gleichzeitiger Stromerzeugung effizienter ermöglicht werden soll als bisher. Mit den 249.990 Euro, die das Unternehmen über Green Rocket in kurzer Zeit einsammeln konnte, konnte das Amstettener Unternehmen den Vertrieb und die Installation der Produktion vorantreiben.

Langfristige Beteiligung

Alle über die Plattform finanzierten Projekte seien noch existent, betonen Deutschmann und Garber. Schließlich werden dem Anleger eine langfristige Beteiligung am Gewinn und der Unternehmenswertsteigerung und zwischen ein und drei Prozent Fixzinsen in Aussicht gestellt. Im Internet finden sich jedoch lange Listen weltweit gescheiterter Crowdinvesting-Projekte. In solchen Fällen ist das eingesetzte Kapital weg.

Die rund 7500 Green-Rocket-Anleger sind durchschnittlich 37 Jahre alt, überwiegend Männer, gut gebildet und investieren im Schnitt 1000 Euro. Bei vielen stünde der Gedanke im Vordergrund, einer jungen Firma mit einer guten, ökologischen Idee zum Erfolg verhelfen zu können. "Die Anleger erwarten nicht, reich zu werden", sagt Garber. Zehn Prozent des online eingesammelten Geldes fließen in die Kasse von Green Rocket. (Karin Tzschentke, 5.3.2016)

  • Anschub für grüne Projekte: Der  Schwerpunkt von Green Rocket liegt in den Bereichen Energie, Mobilität und Gesundheit.

    Anschub für grüne Projekte: Der Schwerpunkt von Green Rocket liegt in den Bereichen Energie, Mobilität und Gesundheit.

Share if you care.