Umweltschützer zeigen Agrarriesen Monsanto an

3. März 2016, 11:14
13 Postings

Kurz vor der Verlängerung EU-Zulassung zeigt Global 2000 Monsanto an: Das Pestizid Glyphosat sei möglicherweise krebserregend

Wien/Berlin/St. Louis – Wegen des Verdachts auf Betrug hat die österreichische NGO Global 2000 am Mittwoch angekündigt, den Agrarkonzern Monsanto, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) anzuzeigen.

Global-2000-Chemiker Helmut Burtscher wirft dem US-Saatguthersteller eine Verschleierung der krebserregenden Wirkung des Pestizids Glyphosat und den beiden Behörden "Missachtung jeglicher wissenschaftlicher Redlichkeit" und grobe Fehler in der ursprünglichen Zulassung vor.

Divergierende Interpretationen

Auf Basis von fünf Mäusestudien hatte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation im Frühjahr 2015 Glyphosat als "wahrscheinlich für den Menschen krebserregend" eingeschätzt. Die EFSA hingegen stufte die krebserregende Wirkung unter Berücksichtigung einer Analyse derselben Studien durch die BfR als "unwahrscheinlich" ein.

Vor dem Hintergrund, dass nur Stoffe, die nicht krebserregend sind, zugelassen werden dürfen, wäre mit dieser Einschätzung der Weg für eine EU-Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre geebnet. Über diese soll am kommenden Montag entschieden werden.

Lymphdrüsenkrebs durch Glyphosat

In einem offenen Brief kritisierte eine Gruppe von 96 Experten die Interpretation der Studienergebnisse durch die BfR als "wissenschaftlich inakzeptabel" und "fundamental fehlerhaft". Rechtsanwalt Josef Unterweger, der Global 2000 vertritt, nannte die Vorgehensweise der Behörden "intransparent" und "einer Demokratie unwürdig". Auf Antrag habe Monsanto eine Geheimhaltung der Studien bewirken können, die zur Zulassung herangezogen werden. Damit seien diese zuvor "keiner wissenschaftlichen Begutachtung oder Kritik" unterlegen.

Dabei, so Hanns Moshammer von der Organisation Ärztinnen für eine gesunde Umwelt, wären die möglichen Konsequenzen einer Wiederzulassung verheerend: Glaubt man den von der Weltgesundheitsorganisation als valide anerkannten Studien, wäre EU-weit mit 250 bis 500 neuen, Glyphosat-bedingten Lymphdrüsenkrebs-Erkrankungen pro Jahr zu rechnen.

Industrieverband: Anzeige"absurd"

Der Obmann der Industriegruppe Pflanzenschutz nannte den Schritt "absurd" und warf den Aktivisten vor, an keiner sachlichen Debatte interessiert zu sein.

Die Anzeige wird von mehreren internationalen Umwelt-NGOs mitgetragen und bei den Staatsanwaltschaften in Wien und Berlin eingebracht. Auch der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber kündigte an, die Analysen von Global 2000 und eine Beteiligung an der Anzeige zu prüfen. (Elena Pramesberger, 2.3.2016)

Share if you care.