Archäologen hoffen auf weitere "Männer im Salz"

2. März 2016, 17:27
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Team des Naturhistorischen Museums begibt sich auf die Spuren eines prähistorischen Grubenunglücks

Wien/Hallstatt – Archäologen des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien wollen herausfinden, ob das prähistorische Bergwerk in Hallstatt weitere menschliche Überreste birgt. Heuer beginnen sie dort mit Grabungen, wo 1734 bereits ein "Mann im Salz" gefunden wurde.

Prähistorisches Grubenunglück

Es sei davon auszugehen, dass der Bergbau im heutigen Oberösterreich einst halb Europa mit dem wertvollen Salz versorgt hat, erklärte Hans Reschreiter von der prähistorischen Abteilung des NHM. Um 1050 vor unserer Zeitrechnung kam es aber zu einer Katastrophe, im Zuge derer die Bergbautätigkeit für längere Zeit zum Erliegen kam. Bekannt ist, dass sich ein großes Loch im Stollen aufgetan hat, durch das viel Material und Wasser in das Bergwerk gelangten. "Wir wollen herausfinden, was die Mechanismen dahinter waren."

In Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (Boku) und der Österreichischen Salinen AG haben die Forscher Hinweise gefunden, dass sich damals eine Serie von Unglücken ereignet haben dürfte. "Die Katastrophe dürfte sich schon einige Jahrzehnte lang angekündigt haben. Man hat dann große Anstrengungen unternommen, um den Bergbau weiter zu betreiben, aber um 1050 vor Christus hat man dann diesen Kampf verloren", sagte Reschreiter. Mit Unterstützung der Geologischen Bundesanstalt konnte auch der Einsturztrichter an der Oberfläche mittlerweile gefunden werden.

Neue Grabungen

Die Frage sei nun, wie lange der Bergbau in größerem Maßstab dann nicht betrieben wurde. "Das ist auch der Grund, warum wir heuer im Herbst an der Stelle weiterarbeiten werden, wo 1734 der 'Mann im Salz' gefunden wurde. Denn das ist eine der Stellen, wo dann wieder neu begonnen wurde. Wir versuchen, den untersten Teil dieses Bergbaus zu finden und hoffen herauszufinden, wann genau der Bergbau wieder neu starten konnte", erklärte Reschreiter. Die damals entdeckte Leiche wurde bestattet, weil die Bedeutung des Fundes nicht eingeschätzt werden konnte.

Die Grabungen erfolgen jedenfalls in der Nähe der Stelle, "wo noch weitere Männer, Frauen oder Kinder liegen könnten. Heuer sind wir vermutlich noch zu tief. In dem Bereich gibt es aber immer wieder Sanierungsarbeiten – es könnte also ständig passieren", sagte der Forscher.

Ein solcher Fund wäre jedenfalls sensationell. Reschreiter: "Eine Salzleiche wäre vermutlich noch etwas besser erhalten als Ötzi." Anhand von Skelettfunden im Gräberfeld im Hallstätter Hochtal wisse man schon viel über die Arbeitsbelastung der Bergleute. Funde im Bergwerk, wo sich wegen des hohen Salzgehalts auch organische Stoffe gut erhalten, zeugen davon, was die Menschen damals gegessen haben. Aus Kotfunden weiß man Bescheid über Mangelerscheinungen und Parasitenbefall.

Einblicke in den Alltag von damals erhofft

Eine Salzmumie würde aber ganz neue Einblicke liefern: Man wisse beispielsweise noch kaum etwas über die Körperhygiene der prähistorischen Bergleute. Er hege den Verdacht, dass sie sich vielleicht sogar täglich gewaschen haben, so Reschreiter, denn keines der bisher gefundenen Kleidungsstücke war schmutzig. Eine Frage sei auch, wie sich die Menschen damals rasiert haben: "Wir finden in der älteren Eisenzeit keine Rasiermesser- die wenigen Bilder auf Blechgefäßen aus der Zeit zeigen aber, dass alle Männer rasiert sind". Eine interessante Frage sei auch, ob die Bergleute tätowiert waren, aber auch eine Analyse der Darmflora oder etwaiger medizinischer Behandlungen wären im Zuge eines "Komplettbefundes" möglich.

Problematisch sei, dass viele Stollen im Bergwerk, die zu Fundstellen führen, schon seit langer Zeit nicht mehr für den Bergbau benötigt und daher nicht gewartet werden. Einige hundert Meter dürfe man mittlerweile gar nicht mehr betreten. "Die Herausforderung wird sein, ein Sanierungs- und Erhaltungskonzept für diese einmaligen Fundstellen auf die Reihe bringen", so Reschreiter. Damit dieser wichtige Teil des UNESCO-Welterbes weiter zugänglich bleibt, erarbeiten Experten momentan eine Lösung. (APA, red, 2. 3. 2016)

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