Kanada: Wald geschützt, aber nicht der Grizzly

3. März 2016, 05:30
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Bären dürfen in der Provinz British Columbia trotz gegenteiliger Versprechen weiter gejagt werden

Als "Geschenk an die Welt" wurde das historische Abkommen über den Schutz des Great Bear Rainforest an Kanadas Nordwestküste gefeiert. Das Abkommen zwischen Holzkonzernen, Ureinwohnern, Naturschützern und der Provinz British Columbia, das nach sechzehn Jahren schwieriger Verhandlungen Anfang Februar zustande kam, ist in der Tat ein Triumph: 3,1 Millionen Hektar Wald sind vom Abholzen geschützt – mehr als ein Drittel der Fläche Österreichs. Aber erst jetzt wird klar, dass das größte Tier in dieser Wildnis immer noch gejagt werden darf: Die Grizzlybären sind trotz aller Versprechen der Behörden nicht geschützt.

Die Premierministerin von British Columbia, Christie Clark, erklärte zwar, das Abkommen bedeute das Ende der Grizzlyjagd im Great Bear Rainforest, das ist aber nicht der Fall. Die Provinzregierung überlässt es den Umweltorganisationen und Indianerstämmen, die Jagdlizenzen für ausländische Trophäenjäger von kommerziellen Jagdführern zurückzukaufen. Das kostet Millionen.

So haben die Raincoast Conservation Foundation und indigene Stämme von 2005 bis 2015 umgerechnet 1,4 Millionen Euro dafür eingesetzt. Aber die NGOs sind mit solchen Beträgen überfordert. Selbst wenn ausländische Touristen nicht mehr Grizzlys jagen könnten, ist es den Jägern von British Columbia in der Provinz weiterhin erlaubt. "Die Regierung sollte eingreifen und die einheimische Grizzlyjagd beenden", fordert Chris Genovali von der Raincoast Conservation Foundation.

Bärenbeobachtung floriert

Laut einer Erhebung vom Oktober 2015 sind 91 Prozent der befragten Bewohner von British Columbia gegen die Grizzlyjagd. In der Nachbarprovinz Alberta ist die Trophäenjagd schon seit zehn Jahren verboten. Die Regierung von British Columbia hingegen behauptet, die Grizzlypopulation vertrage eine Jagd, die "wissenschaftlich verwaltet" werde. Dem widersprechen Experten, aber auch Naturschützer wie David Suzuki, der warnt: "Grizzlys sind in 18 Prozent der Provinz ausgerottet oder bedroht." Die harmlose Bärenbeobachtung für Touristen aber floriere und bedeute Arbeit und Geld für die Indigenen. (Bernadette Calonego aus Vancouver, 3.3.2016)

  • 91 Prozent der Bewohner von British Columbia sind laut Umfrage gegen die Grizzlyjagd.
    foto: ap/darryl dyck

    91 Prozent der Bewohner von British Columbia sind laut Umfrage gegen die Grizzlyjagd.

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