Tote Luchse in Oberösterreich: 10.000 Euro Kopfgeld ausgelobt

2. März 2016, 13:56
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Wiederansiedlung wackelt wegen des Verdachts auf Abschüssen – Kein paarungsbereiter männlicher Luchs mehr im Nationalpark Kalkalpen

Molln/Steyr – Im Fall der Tötung von Luchsen in Oberösterreich haben der Nationalpark Kalkalpen, der WWF und der Naturschutzbund nun eine Prämie von 10.000 Euro für Hinweise auf weitere Schützen ausgelobt. Eine 64-jährige Jägerin ist wegen des Abschusses eines Luchses mittlerweile rechtskräftig verurteilt worden. Es fehlen aber weitere Tiere und die Ermittlungen gestalten sich zäh. Auch eine Auswilderung steht auf wackeligen Beinen.

Der Nationalpark Kalkalpen betreibt ein Wiederansiedlungsprogramm für Luchse und vermisst seit Längerem sämtliche Männchen. Von Anfang an stand der Verdacht illegaler Abschüsse im Raum. Nachdem das Landeskriminalamt ein Tier in der Tiefkühltruhe eines Präparators gefunden hatte, wurde eine Pensionistin als Schützin verurteilt – wegen Schädigung des Tier- und Pflanzenbestandes zu drei Monaten bedingt und 1.920 Euro Geldstrafe. Der Nationalpark will gut 12.000 Euro Schadenersatz von ihr einklagen.

Schweigen im Umfeld der Täterin

Die Staatsanwaltschaft Steyr vermutet, dass noch weitere Luchse geschossen wurden, und ermittelt unter anderem gegen den Ehemann der Frau. Die Kriminalisten stoßen in der Szene aber immer wieder auf Schweigen. Um dieses aufzubrechen, wurde nun eine Belohnung ausgelobt. Die Naturschutzorganisationen und das LKA ersuchen Zeugen sich zu melden und hoffen, so weitere Täter überführen zu können.

Damit es im Nationalpark wieder Luchs-Nachwuchs geben kann, wird derzeit händeringend nach einem männlichen Tier zur Auswilderung gesucht. Beschafft werden soll es in der Schweiz. Die eidgenössische Forschungsgruppe KORA versucht seit Wochen, einen Luchs einzufangen, bisher ging aber kein geeigneter Kandidat in die Falle.

"Das zeigt, wie knapp das Projekt am Kippen ist", so Franz Sieghartsleitner vom Nationalpark Kalkalpen. Derzeit seien nur die beiden Luchsdamen Skadi und Kora sowie drei Jungtiere aus dem Jahr 2014 im Schutzgebiet nachgewiesen, aber kein paarungsbereites Männchen. Man habe nur noch etwa eine Woche Zeit für den Fang, um das Tier rechtzeitig vor dem Ende der Ranzzeit auswildern zu können, erklärte er. Denn der Kuder (männlicher Luchs, Anm.) müsse vorher noch mindestens eine Woche im Alpenzoo Innsbruck in Quarantäne verbringen. (APA, 2.3.2016)

Hinweise an DI Christian Fuxjäger vom Nationalpark Kalkalpen, Tel. 07584/3951-140, oder Chefinsp. Othmar Coser von der Landespolizeidirektion Oberösterreich, Tel. 05 913 340-3400; E-Mail: othmar.coser@polizei.gv.at erbeten

  • Sämtliche Luchsmännchen in Oberösterreich sind vermisst.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Sämtliche Luchsmännchen in Oberösterreich sind vermisst.

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