Alle drei Wochen stürzt in Österreich ein Kind aus dem Fenster

2. März 2016, 12:43
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Einfache Maßnahmen wie Fenstersperren könnten einen Großteil der Unfälle verhindern

Wien – Etwa alle drei Wochen stürzt in Österreich ein Kind aus einem nicht gesicherten oder geöffneten Fenster. Besonders im Frühjahr steigt das Risiko für Fensterstürze, zwei oder drei Kinder sterben jährlich an den Folgen. All diese Unfälle seien mit einfachen und günstigen Maßnahmen vermeidbar, erklärten Experten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.

"2015 wurden in Österreich zwei Kinder durch Fensterstürze getötet und zwölf schwer verletzt", sagte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Das KFV hat insgesamt 87 Stürze von Kindern unter 15 Jahren seit 2010 analysiert. In knapp 70 Prozent waren Kinder unter fünf Jahren betroffen, ein Viertel betraf Unter-Dreijährige. In rund sechs von zehn Fällen passierten die Stürze aus Mehrparteienhäuser im urbanen Raum. "In den meisten Fällen waren die Kinder nicht alleine zu Hause, die Gefahr wird stark unterschätzt", warnte Thann.

Der KFV-Direktor verwies etwa darauf, dass in der 2. Tierhaltungsverordnung geregelt ist, dass bei Katzen, sofern sie in Räumen gehalten werden, bei denen die Gefahr eines Fenstersturzes besteht, Fenster und Balkone mit geeigneten Schutzvorrichtungen versehen werden müssen. "Warum gibt es eine solche Regelung nicht auch für Kinder?", fragte Thann und verwies auf einfache Maßnahmen wie Fenstersperren. "Es muss doch in Österreich möglich sein, Maßnahmen zu setzen, die Fensterstürze von Kindern verhindern", meinte Thann.

Zehntausende verletzte Kinder

"Rund 49.600 Kinder unter 15 Jahren verletzten sich jährlich bei verschiedensten Sturzunfällen so schwer, das sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, jeder zweite dieser Unfälle passiert in den eigenen vier Wänden", sagte Alexander Rokitansky, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie im Wiener SMZ-Ost. Ungebremst kann ein Aufprall direkt auf den Kopf bereits aus zwei Metern Höhe tödlich sein. Als kritische Fallhöhe für eine schwere Verletzung im Säuglingsalter gilt das Überschreiten der Körpergröße, bei Kindern das zwei bis dreifache der Körpergröße, erklärte Rokitansky.

Die Folgen von solchen Unfällen seien oft "Querschnittslähmung und Entwicklungsverzögerungen durch Schädel-Hirn-Traumata", sagte der Mediziner. Insgesamt führen Fensterstürze zu "einem sogenannten Polytrauma, bei dem mehrere Organe gleichzeitig schwer verletzt werden", erklärte der Experte. Innere Verletzungen des Brustkorbes und der Lunge sind die Folge. Bei den Kindern gibt es zwei primär betroffene Altersgruppen: Zwei- bis Vierjährige und die andere Spitze rund um das zehnte Lebensjahr. "Stürze bis zum fünften Stock können überlebt werden", sagte Rokitansky.

Mittels einfachster Vorkehrungen wie Fenstersicherungen können Stürze verhindert werden. Gesetzliche Maßnahmen oder Normen dafür gibt es hierzulande keine. "In Österreich ist nur jedes 30 Fenster mit einer Kindersicherung ausgestattet", sagte Johann Brandstetter, Geschäftsführer des Fensterherstellers Internorm. Die einfachste Sperre sei ab vier Euro erhältlich, der nachträgliche Einbau von versperrbaren Fenstergriffen kostet ab 25 Euro. "Solche Maßnahmen sind keine Preisfrage, sondern eine Willensfrage", betonte Thann. Der KFV-Direktor forderte den Einbau von Fenstersperren zumindest bei Neubauten und bekräftigte, dass solche Maßnahmen gleichzeitig auch den "Ferrari des Einbruchsschutz" darstellen. (APA, 2.3.2016)

  • Geöffnete Fenster können für Kinder zur tödlichen Falle werden.
    foto: apa/robert jaeger

    Geöffnete Fenster können für Kinder zur tödlichen Falle werden.

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