Das letzte Hurra des Bärentalers

2. März 2016, 10:17
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Am Donnerstag hebt mit der Mixedstaffel auf dem Holmenkollen ob Oslo die WM im Biathlon an. Sentimentaler Favorit aller Herrenrennen ist Ole Einar Björndalen, der Weltrekordweltcupsieger aller Wintersportler. Doch der König schwächelt

Oslo/Wien – Den 42. Geburtstag am 27. Jänner hat Ole Einar Björndalen, auf Deutsch also quasi der Bärentaler, in aller Stille begangen – ohne Alkohol natürlich. Seit 30 Jahren, seit einem Fetzn als Teenager, hat er keinen Tropfen mehr getrunken. Der Mann aus Drammen in Südnorwegen ist die personifizierte Selbstdisziplin. Zuletzt hat er noch ein wenig härter an sich gearbeitet als ohnehin immer. Schließlich ist er ausgerechnet vor seiner letzten großen Aufgabe, vor der Heim-WM auf dem Holmenkollen, etwas außer Tritt geraten.

Wie ein Junger

Begonnen hatte Björndalen seine 24. Saison im Weltcup der bewaffneten Langläufer wie ein Junger. Er gewann zum Auftakt in Östersund die 20 Kilometer und avancierte damit gleichzeitig zum ältesten Sieger und Gesamtführenden der Weltcupgeschichte. Der 94. Einzelerfolg wirkte wie ein Fanal für eine triumphale Abschiedstournee durch die Biathlonanlagen dieser Welt.

In Oslo, so schien da fast schon gewiss, wird Björndalen sein zwölftes Einzelgold holen, das erste seit 2009. Bei 19 einschlägigen Goldmedaillen hält der achtmalige Olympionike, sogar eine WM-Medaille für jedes Lebensjahr des wohl für ewig erfolgreichsten Wintersportlers schien greifbar – 40 hat Björndalen schon. Doch plötzlich fiel der Kannibale, wie Björndalen in Anlehnung an den der Unersättlichkeit verdächtig gewesenen Radsportler Eddy Merckx genannt wird, in ein tiefes Loch, in eine Schaffenskrise, die ihren Höhepunkt im Massenstartrennen von Ruhpolding fand, wo Björndalen nach zehn Fehlschüssen als 30. und Letzter mehr als fünf Minuten hinter dem Sieger ins Ziel kam.

Nach den ebenfalls enttäuschend verlaufenen Bewerben in Antholz zog sich Björndalen aus dem Weltcup zurück, spritzte die Bewerbe in den USA und Kanada und fand in seiner Wahlheimat Obertilliach ein reiches Betätigungsfeld: "Ich habe große Probleme beim Schießen, mit meiner Technik, meiner Waffe."

Dazu wollte er das der Reise nach Übersee innewohnende Erkrankungsrisiko nicht eingehen. Schon immer war für ihn diesbezüglich Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.

Bei der am Donnerstag mit der Mixedstaffel anhebenden Heim-WM hat Björndalen vor allem den Sprint am Samstag im Visier. Noch heute nennt er seinen ersten, just über diese Distanz gefeierten Olympiasieg (1998 in Nagano) sein schönstes sportliches Erlebnis. Aber er hält sich eine Hintertür offen – auch ein Topergebnis im Massenstart zum Abschluss am 13. März würde ihm gut zu Gesicht stehen: "Das ist die Formel 1."

Treffen mit Harald

Ein Treffen mit dem König in dessen Loge würde ihn freuen. Harald V. gab sich bisher nur einmal die Ehre, den König der Biathleten auf dem Holmenkollen zu beglückwünschen. "Ich habe ja in Oslo nicht so oft gewonnen", sagte Björndalen in einem Interview mit dem Internationalen Biathlonverband. Immerhin sieben Siege waren es doch, aber die sind angesichts seiner Gesamtbilanz fast schon vernachlässigbar. (Sigi Lützow, 2.3.2016)

WM-Programm (alle Rennen live auf ORF eins/Sport +):

3. März, 15.30 Uhr: Mixed-Staffel (2 x 6 + 2 x 7,5 km)
5. März, 11.30/14.30: Sprint Herren (10 km) u. Damen (7,5 km)
6. März, 13.30/15.45: Verfolgung Herren (12,5 km) u. Damen (10 km)
9. März, 15.30: Einzel Damen (15 km)
10. März, 15.30: Einzel Herren (20 km)
11. März, 15.30: Staffel Damen (4 x 6 km)
12. März, 15.30: Staffel Herren (4 x 7,5 km)
13. März, 13.00/16.00: Massenstart Damen (12,5 km) u. Herren (15 km)

ÖSV-Aufgebot (8):

Herren: Julian Eberhard, Simon Eder, Dominik Landertinger, Sven Grossegger

Damen: Lisa Hauser, Susanne Hoffmann, Christina Rieder, Dunja Zdouc

  • Sieben Siege hat Ole Einar Björndalen in Oslo schon gefeiert. Nicht viel, wie er sagt. Die WM bietet weitere Gelegenheiten.
    foto: afp / jure makovec

    Sieben Siege hat Ole Einar Björndalen in Oslo schon gefeiert. Nicht viel, wie er sagt. Die WM bietet weitere Gelegenheiten.

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