Rot-schwarze Bromance in St. Pölten

Blog11. März 2016, 14:08
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Der niederösterreichische Landeshauptmann und der St. Pöltener Bürgermeister verstehen sich ausgezeichnet – darunter könnte ausgerechnet die ÖVP in der Landeshauptstadt leiden

St. Pölten – Matthias Stadler ist so etwas wie der Erwin Pröll St. Pöltens – im Kleinen. Seit 2004 bekleidet er das Amt des Bürgermeisters der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Der Sozialdemokrat gilt als äußerst beliebt. Deswegen schickt ihn die Partei im laufenden Gemeinderatswahlkampf gerne vor und hält die Marke "SPÖ" ein bisschen zurück. Ganz ähnlich wie bei Erwin Pröll und der niederösterreichischen Volkspartei.

Kein Wunder also, dass sich die beiden blendend verstehen. Schon als Stadler 2013 die niederösterreichische SPÖ übernahm, betonte er sein gutes Verhältnis zum Landeshauptmann. Der "Kronen Zeitung" erzählte er, er sei mit Pröll seit vielen Jahren per Du und trinke auch gerne mal ein Achterl Veltliner mit ihm. Und auch Pröll schwärmte 2014 in einem Interview mit den "Niederösterreichischen Nachrichten" von der Zusammenarbeit mit Stadler. Die "Achse" Stadler–Pröll funktioniere.

Machtpolitik über Parteigrenzen hinweg

Wie das bei guten Freunden so ist, unternehmen Erwin und Matthias auch viel miteinander. Als Lokal- und Regionalpolitiker durchschneiden sie gerne Bänder oder setzen Spatenstiche, im November waren die beiden gemeinsam Taufpaten bei der Segnung des Hauptstadtweins 2016. Zu Stadlers 50. Geburtstag richtete Pröll eigens ein Fest im Landhaus aus. Und schenkte ihm, so berichteten zumindest die "NÖN", eine Weinkaraffe – für "edle Rote".

Von denen versteht Pröll ja etwas. Seine Freundschaft mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) genießt Legendenstatus. Arbeit fürs Land über Parteigrenzen hinweg, sagen jene, die ihm freundlich gestimmt sind. Wenn es um Machtpolitik geht, verschwimmen auch ideologische Linien, meinen die anderen. Erwin Pröll, der Sozi-Versteher.

ÖVP St. Pölten zwischen den Stühlen

Heidemaria Onodi – Vorvorgängerin Stadlers als SPÖ-Landesvorsitzende – sieht die St. Pöltener Bromance als "gute Zusammenarbeit". Und da es etliche Projekte gibt, wo Gemeinde, Land und Bund zusammenarbeiten, ist ein gutes Verhältnis zwischen den Akteueren "sicher auch ein Vorteil für die Stadt", sagt Onodi zum STANDARD. Von Vorteil für die Stadt –in diesem Zusammenhang heißt das auch: von Vorteil für den Bürgermeister. Jedoch möglicherweise zum Nachteil für die St. Pöltener ÖVP.

Denn die will jedenfalls an Stimmen zulegen, wie Spitzenkandidat und Vizebürgermeister Matthias Adl zum STANDARD sagt. Auch er sieht Vorteile im guten Verhältnis zwischen dem schwarzen Landeshauptmann und dem roten Bürgermeister. Zwischen Stadler und Adl herrsche "ein korrektes Arbeitsverhältnis" – eine Freundschaftsbekundung klingt anders. "Es ist auf einer direkt konkurrenzierenden Ebene schwierig, sich zu verbrüdern", sagt Adl.

Es ist wohl auch schwierig, gegen einen Bürgermeister anzutreten, der bei wichtigen politischen Themen den Landeshauptmann im Rücken hat. Eine Konfrontation zwischen dem roten Bürgermeister und dem schwarzen Landeshauptmann würde dem Profil der Stadt-ÖVP jedenfalls guttun. Womöglich ist der Konflikt mit Stadler schon geplant. Adl ist überzeugt: "Erwin Pröll wird noch deutlich klarmachen, auf welcher Seite er steht." (Sebastian Fellner, 11.3.2016)

  • Zwei, die miteinander können: Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) und Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ).
    foto: apa/hans klaus techt

    Zwei, die miteinander können: Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) und Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ).

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