Standort Österreich verliert im internationalen Vergleich

2. März 2016, 10:45
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Österreich erzielt bei Stabilität und Sicherheit Spitzenbewertungen, erntet aber Kritik an Staatsausgaben und Belastungen durch Regulierung und Bürokratie

Wien – Österreich verliert in den großen internationalen Standortrankings an Boden. Vor sieben Jahren lag das Land in allen vier von Deloitte verglichenen Rankings besser als 2015, und auch in einem fünften Vergleich, den es erst seit 2011 gibt, hat Österreich inzwischen Plätze verloren. Immerhin hat es im Korruptionsindex und im Innovationsindex in den letzten beiden Jahren wieder eine Erholung gegeben.

"In Österreich braucht es jetzt mehr Mut zum Anpacken – denn die Chancen der Zukunft beginnen im Kopf", meint Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte. Die Performance der Politik und des öffentlichen Sektors werde in internationalen Standortstudien konstant schlechter bewertet als jene des privaten Sektors – eine Einschätzung, die sich beispielsweise in Deutschland und der Schweiz umgekehrt darstelle.

Während Österreich bei Stabilität und Sicherheit Topbewertungen erzielt, würden das Ausgabeverhalten des Staates sowie die Belastungen durch öffentliche Regulierung und Bürokratie seit Jahren kritisiert. "Der Reformstau – den es trotz einer Vielzahl an Konzepten und Ideen gibt – lähmt die Dynamik der Wirtschaft. Die Auswirkungen zeigen sich mittlerweile auch in der volkswirtschaftlichen Performance", heißt es im Deloitte-Radar 2016. Insgesamt hat sich der Indexwert zur Standortattraktivität auf Basis von sieben Indikatoren im Jahresabstand von 3,00 auf 2,86 verschlechtert.

Plus für Infrastruktur

Relativ gut kommt Österreichs Infrastruktur weg. Hier vergibt Deloitte vier von fünf möglichen Punkten. Beim raschen technologischen Fortschritt und der dafür notwendigen IKT-Infrastruktur bestehe trotzdem noch Aufholbedarf auf die führenden Innovationsstandorte. Auch an Forschungs- und Innovationsstandort vergibt Deloitte vier Punkte, mit steigender Tendenz. Österreich zähle zu den überdurchschnittlich starken Forschungs- und Innovationsstandorten in Europa und konnte in den letzten Jahren die Innovationseffizienz kontinuierlich verbessern. Für eine dynamische Start-up-Szene seien jedoch der Abbau bürokratischer Hürden und die Förderung einer stärkeren Private-Equity-Kultur essenziell.

Beim regulatorischen Umfeld gibt es hingegen nur zwei Punkte. "Die regulatorischen Auflagen werden als größtes unternehmerisches Risiko und Investitionshemmnis wahrgenommen. Österreich fällt dabei im europäischen Vergleich durch einen anhaltend hohen Bürokratieaufwand, viele Einzelregelungen und vergleichsweise wenig Flexibilität auf", so Deloitte. Eine Entspannung sei vorerst auch nicht zu erwarten. Gar nur einen Punkt verbucht Österreichs Fiskalpolitik, immerhin dank Steuerreform mit positiver Tendenz: "Österreichs Fiskalpolitik schneidet im internationalen Wettbewerb sowohl hinsichtlich der hohen Steuer- und Abgabenbelastung als auch bei der Bewertung der Lenkungseffekte schlecht ab. Die Steuerreform war ein erster Schritt zur Entlastung des Faktors Arbeit, allerdings mit einer überwiegend einnahmenseitigen Gegenfinanzierung."

Zwei Punkte gibt es für den Arbeitsmarkt: Seit Jahren stehe eine steigende Arbeitslosigkeit bei geringer qualifizierten und älteren Arbeitnehmern den Engpässen bei gut ausgebildeten Arbeits- und Fachkräften gegenüber. Österreich habe die große Herausforderung zu meistern, weitere Erwerbspotenziale zu erschließen und das Bildungsniveau kontinuierlich zu steigern. Fünf volle Punkte kann Österreich dafür für die Lebensqualität verbuchen. "Beim subjektiven Wohlbefinden und bei der Einschätzung künftiger Möglichkeiten liegt Österreich jedoch hinter vergleichbaren Staaten zurück", vermerkt Deloitte. Das politische und makroökonomische Umfeld ganz allgemein erhält ebenfalls nur zwei Punkte.

Kein Top-10-Platz

Konkret ist Österreich zwischen 2008 und 2015 im Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums (WEF) von Rang 14 auf Rang 23 zurückgefallen. Beim World Competitiveness Index des International Institute for Management Development (IMD) ging es von 14 auf 26, im OECD Better Life Index, der Bewertung der allgemeinen Lebensqualität, ging es von 14 (2011) auf 17 herunter. Immerhin ist Österreich hier noch in den Top 20, Top Ten ist Österreich in keinem der Indizes.

Im Global Innovation Index der Eliteuniversität Insead liegt Österreich zwar unter dem Höchstwert von 2008 (Rang 15), hat sich im Vergleich zu 2013 (Rang 23) wieder bis auf 18 verbessert. Auch im Corruption Perceptions Index von Transparency International hat es seit 2013 (Rang 26) eine deutliche Verbesserung bis auf Rang 16 gegeben. Das Niveau von 2008 sei jedoch noch nicht erreicht, da sich andere Volkswirtschaften besser entwickelt haben. (APA, 2.3.2016)

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