Schelling unterbreitet Heta-Gläubigern verbessertes Angebot

2. März 2016, 10:08
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Null-Kupon-Anleihe mit 18 Jahren Laufzeit – Nur wenn Gläubiger Angebot annehmen, ihre Heta-Anleihen zu 75 Prozent des Nominales an Kärnten abzutreten

Wien/Klagenfurt – Mit den Anleihegläubigern der Heta (Ex Hypo Alpe Adria) zeichnet sich eine Lösung ab, mit der wohl "alle gesichtswahrend leben" könnten und mit der auch der Streit um öffentliche Haftungen gelöst würde, wie es Mittwochfrüh hieß. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat am Abend bei einer Bankentagung die Katze aus dem Sack gelassen. Es wird an einer Art Tauschangebot gearbeitet.

Gläubiger, die das bis 11. März laufende Kärntner Angebot für einen Rückkauf landesgarantierter Heta-Anleihen (Ablösesumme: 75 Prozent des Nominales für vorrangige Bonds) annehmen, könnten das Geld aus dem Schulden-Vergleich unmittelbar danach in eine speziell dafür aufgelegte Anleihe Österreichs investieren, sagte Schelling am Dienstagabend bei einer von der "Süddeutschen Zeitung" veranstalteten Tagung.

In Frankfurt war nach Schellings Ankündigung am frühen Abend von einer "faustdicken Überraschung" und einem "neuen Angebot" die Rede, wie die Süddeutsche und das Handelsblatt urteilten. Dem Zusammentreffen von Schelling und vielen deutschen Bankern war im Vorfeld auch in Österreich einiges Gewicht beigemessen worden. Zumal rund 7 Milliarden der rund 11 Milliarden Euro an ausstehenden landesgarantierten Heta-Anleihen bei deutschen Banken, Fonds und Versicherungen liegen.

Nullkuponanleihen zum Tausch

Im Mittelpunkt stehen Nullkuponanleihen, die zum "Tausch" aufgelegt werden könnten. Wer bei dieser Art der Umschuldung mitmacht, hätte bei einer angenommenen Laufzeit von 18 Jahren höhere Rückflüsse als die bei Zero-Bond-Anleihen üblichen Kaufkurse. Nullkuponanleihen werden zu Ausgabekursen deutlich unter dem Nominale emittiert. Bei den dazu angedachten Staatspapieren würden während einer Laufzeit von 18 Jahren keine Zinsen fließen.

Für Investoren, die auf einen solchen Deal eingehen, käme unterm Strich auch deutlich mehr heraus als die Ex-Hypo-Mutter BayernLB bei deren Vergleich vom letzten Juli mit Österreich ausgehandelt hatte. Die BayernLB hatte sich mit weniger als der Hälfte der Forderungen abgefunden. Bei der BayernLB ging es um Kreditsummen und nicht um Anleihen.

Mit einem Kompromiss auf eine Anleiheumschuldung könnten Bond-Gläubiger und Republik Österreich bzw. Kärnten ohne Gesichtsverlust aus dem Poker aussteigen, vermuteten Beobachter am Mittwoch: Österreich kann argumentieren, das international umstrittene Abfindungsangebot für die Heta-Anleihen wäre "durch", der Staat müsste kein frisches Steuergeld in die Hand nehmen, also unmittelbar nichts drauflegen, die Gläubiger wiederum können "ihre 100 Prozent" darstellen, wenigstens dem Nominale nach, argumentiert man bei den österreichischen Initiatoren der möglichen Aktion.

Buchwerte und Barwerte

Die "Süddeutsche" rechnete in ihrer Mittwochausgabe vor, dass die einstigen Heta-Bond-Investoren als potenzielle Bundesanleiheinvestoren am Schluss netto voraussichtlich wohl zwischen 80 und 85 Prozent des damaligen Werts zurück bekämen. In den Büchern könnten die Investoren aber eine hundertprozentige Rückzahlung einstellen.

Dass die Umschuldung zu einem "Barwert" der Nullkuponanleihen von schließlich 80, 82, 84 oder 85 Prozent eine "Nachbesserung" beziehungsweise ein "Aufschlag" auf das geltende Abschlagsangebot (mit seiner Quote von 75 Prozent) darstellte, wird bei den Initiatoren dieses Plans in Österreich gegenüber der APA vehement bestritten.

Dem Vernehmen nach soll die für Staatsanleihen zuständige österreichische Bundesfinanzierungsagentur im Stillen schon seit längerem an Modalitäten für einen solchen Deal rechnen. Im öffentlichen politischen Pokerspiel zu der Heta-Anleihencausa wurde trotzdem zuletzt noch weiterer Druck aufgebaut. (APA, 2.3.2016)

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