Schwimmverband: Alles sehr verschwommen

2. März 2016, 09:55
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Der OSV soll einen neuen Präsidenten bekommen, kämpft aber mit alten Problemen

Wien – "Aus Idealismus." So hat Arno Pajek am Dienstag die Frage beantwortet, warum er sich das antue. Noch ist Pajek Rechtsreferent im Schwimmverband (OSV), am Freitag, am Verbandstag in Wels, will er sich zum Präsidenten wählen lassen. Gegenkandidat ist keiner in Sicht, Willige könnten allerdings auch am Verbandstag selbst erst aufzeigen.

Der Verband schwimmt seit Jahr und Tag. Nach den Olympischen Spielen 2012 war es – vor allem aufgrund harscher Kritik des Olympiavierten Dinko Jukic – zum Rücktritt von OSV-Präsident Paul Schauer gekommen. Mittlerweile haben zwei weitere OSV-Präsidenten, Christian Meidlinger und Stefan Miklauz, vorzeitig abgedankt. Und es hat sich herausgestellt, dass Jukic mit vielen seiner Vorwürfe richtig gelegen war. Mehr als 250.000 Euro an öffentlichen Geldern sollen von 2006 bis 2013 im OSV veruntreut worden sein. Von Generalsekretär Thomas Gangel hat sich der Verband in der Folge ebenso getrennt wie von Sportdirektor Moschos Tavlas.

Seit dem Miklauz-Abgang führen drei Vizepräsidenten (Opatril, Rothbauer, Lang) die Geschäfte, ihnen stehen Pajek und Generalsekretär Thomas Unger zur Seite. Am Verbandstag in Wels wird der Vorstand quasi geschlossen zurücktreten und hernach – diesmal mit Pajek an der Spitze – zur Wahl antreten. Vorausgesetzt ist die Entlastung des Vorstands für die Periode von März 2014 bis heute.

Vereine klagen

Aktuell sieht sich der OSV mit etlichen Gerichtsverfahren konfrontiert. Neben sieben Salzburger Vereinen und einem (ehemaligen) Salzburger Landesverband hatte auch Jukics Verein SC Austria Wien geklagt, sie alle waren vom OSV ausgeschlossen worden. Die Ausschlüsse wurden gerichtlich aufgehoben. Allerdings bekam der SC Austria später mitgeteilt, dass seine Mitgliedschaft beim Wiener Verband erloschen sei, weshalb er erst recht nicht mehr OSV-Mitglied sein könne. Laut Pajek verloren insgesamt zwanzig Vereine wegen Inaktivität in den vergangenen zwei Jahren ihre Mitgliedschaft.

Das diesbezügliche OSV-Statut gilt seit 2014 und wurde also rückwirkend eingesetzt. Augenauswischerei? Jukic-Anwalt Thomas Krankl fährt mit schweren Geschützen auf: "Die nächsten Verfahren sind aufgelegt. Anscheinend will der OSV neue Prozesse, und er wird sie bekommen." Pikant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass das Sportministerium eigens Mediatoren einsetzt und bezahlt, die den Streit zwischen dem OSV und den Salzburgern schlichten sollen. "Der OSV", sagt Krankl, "existiert nur noch, weil er vom Ministerium subventioniert wird."

So gesehen dürften – Wahl hin oder her – im OSV so bald keine neuen Zeiten anbrechen.(Fritz Neumann, 2.3.2016)

  • Arno Pajek ist Jurist und OSV-Präsident in spe.
    foto: gepa

    Arno Pajek ist Jurist und OSV-Präsident in spe.

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