Direktorenbestellung: Ein Gymnasium im Ausnahmezustand

2. März 2016, 08:00
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Das Bundesverwaltungsgericht kippte eine Direktorenbestellung in Mürzzuschlag, der Streit um den Posten eskaliert

Mürzzuschlag – "Es ist eine ganz schlimme Geschichte", bedauert Elternvereinsobmann Christian Ellmeier. Seit sechs Jahren herrsche ein Gerangel um den Direktorenposten am Herta-Reich-Gymnasium in Mürzzuschlag. In den letzten Jahren sei etwas Ruhe eingekehrt – und jetzt beginne das Ganze wieder von vorne.

"Für das pädagogische Klima an der Schule ist das alles furchtbar", sagt auch der seit Februar 2015 offiziell eingesetzte Direktor Heimo Hirschmann. Sein Streit mit seiner Kontrahentin an der Schule, Ingrid Köck, um den Leiterposten geht jetzt, nach einem Entscheid des von Köck angerufenen Bundesverwaltungsgerichts, in die nächste Runde. Dieses hatte den Bestellungsvorgang aufgehoben, da im Besetzungsprozedere wesentliche Qualifikationen Köcks wie die Administratorentätigkeit unberücksichtigt geblieben waren. Also zurück an den Start.

Begonnen hat der die Schule zermürbende Zwist 2010, als sich Köck und Hirschmann um den Direktorenposten bewarben. Der Landesschulinspektor sprach sich für Köck aus, das Landesschulratskollegium für Hirschmann, der im August 2011 als provisorischer Schulleiter eingesetzt wurde. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte ursprünglich Köck als neue Direktorin vorgesehen und das auch bereits im Parlament verkündet, erinnert sich Köck.

"Shitstorm" gegen Köck

Dann trennen sich die Wahrnehmungen. An der Schule, sagt Elternvereinsobmann Ellmeier, hätten Lehrer, Schüler und Eltern daraufhin vehement für Hirschmann votiert und das in aller Deutlichkeit Bundespräsident Heinz Fischer, der ja unterschreiben musste, mitgeteilt. Hirschmann spricht von einem "Shitstorm", der gegen Köck losgebrochen sei und Fischer und Heinisch-Hosek umgestimmt habe. Ingrid Köck vermutet ganz andere Hintergründe, warum Fischer und die Ministerin plötzlich ihren Konkurrenten Hirschmann favorisierten und vorerst interimistisch bestellten. "Ich hatte aus einer ganz verlässlichen Quelle im Ministerium die Information bekommen, dass da hinter den Kulissen ein größerer Deal im Laufen war", sagt Köck. Sie sei womöglich nur Teil und Opfer eines "rot-schwarzen Proporzpakets" gewesen.

Hirschmann will Entscheidung beeinspruchen

Hirschmann ist überzeugt, dass heute der Großteil der Lehrer, Schüler und auch Eltern hinter ihm stehe. Köck entgegnet, es sei "ja logisch, dass sich Eltern, Schüler und auch Lehrer den herrschenden Verhältnissen anpassen. Sie müssen ja mit dem Direktor arbeiten."

Köck ist jedenfalls "nur einmal froh, dass ich nun per Entscheid bestätigt bekommen habe, dass wesentliche Qualifikationen unter den Tisch gekehrt worden sind". Hirschmann wird, wie er dem STANDARD bestätigt, den aktuellen Bescheid des Gerichts allerdings beim Verwaltungsgerichtshof beeinspruchen. Die Causa wird die Schule noch Jahre in Bann halten. (Walter Müller, 2.3.2016)

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