"Umberto Eco" auf Arte: Die Bohnen von Uqbar

1. März 2016, 17:25
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Umberto Eco erklärt in seinem Buch "Über Spiegel und andere Phänomene" die sogenannte deduktive Denkweise

Angenommen, vor mir auf dem Tisch liegt ein Säckchen. Wenn ich weiß, dass es weiße Bohnen enthält, kann ich mit Sicherheit behaupten: Alle Bohnen in diesem Säckchen sind weiß. Ich greife also hinein und nehme eine weiße Bohne heraus.

So erklärt Umberto Eco in seinem Buch Über Spiegel und andere Phänomene mithilfe des berühmten Beispiels des Philosophen Charles Sanders Peirce die sogenannte deduktive Denkweise.

Was aber passiert, wenn vor mir ein Säckchen liegt, von dem ich nicht weiß, was es enthält? Und wenn ich hineingreife und eine weiße Bohne nach der andren herausnehme? Dann werde ich davon ausgehen, dass alle Bohnen im Säckchen weiß sind – jedenfalls so lange, bis ich die erste schwarze erwische.

Doch jetzt kommt, so Eco, der ein gewitzter Schlawiner war, das Beste: Auf dem Tisch liegen ein Säckchen und daneben eine Handvoll weißer Bohnen. Also stelle ich einfach mal ein Gesetz auf, dem zufolge das Säckchen weiße Bohnen enthält.

Was das alles mit Fernsehen zu tun hat? Ganz einfach. Ich hätte wissen können, dass gestern Abend auf Arte Der Name der Rose gezeigt wurde und hätte deshalb eingeschaltet. Oder ich hätte vor dem laufenden Gerät sitzen und dabei, sagen wir beim Umschalten, auf den Film stoßen können. Oder aber, und damit hätte auch Eco großen Spaß gehabt: Ich lese in Über Spiegel und andere Phänomene das Kapitel Die Abduktion in Uqbar, und weil mein Blick beim Umblättern zufällig auf den Fernseher fällt, schalte ich das Gerät ein und gehe davon aus, dass auch im Fernsehen an den großen Schriftsteller und Essayisten erinnert wird – und habe die größte Freude an der Überraschung, plötzlich Der Name der Rose zu sehen. (Michael Pekler, 1.3.2016)

  • Umberto Eco.
    foto: apa/afp/francois guillot

    Umberto Eco.

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