Erpressungsvorwurf gegen griechische Zeitung

1. März 2016, 16:13
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Soll Unternehmen unter Druck gesetzt haben

Sie hat einen klangvollen Namen und eine lange Geschichte, doch nun steht die kleine griechische Tageszeitung Akropolis in einem Ermittlungsverfahren, bei dem es um Geschäfte mit Werbung und Artikeln geht. Unternehmen wie der staatliche griechische Wasserversorger EYDAP sollen von Akropolis-Journalisten unter Druck gesetzt worden sein: Geld und Zeitungsinserate oder aber negative Berichte. EYDAP zahlte – insgesamt 401.761 Euro sollen es gewesen sein – und ging zur Polizei.

Viele Griechen finden dies überhaupt nicht erstaunlich. Die engen Verbindungen zwischen Mediengruppen und Politikern im Land sind seit Jahrzehnten bekannt: Medienbesitzer bekamen öffentliche Aufträge etwa für die wichtigere Bausparte ihrer Unternehmensgruppe zugeschoben, heißt es. Seit dem Beginn der Finanzkrise hat sich die Hilfe der Politiker auf das Arrangieren von Bankkrediten verlegt, wie der griechische Medienprofessor Giorgos Pleios dieser Tage in einem Interview mit dem linken Nachrichtenforum AnalyzeGreece! erklärte.

Der Herausgeber von Akropolis und zwei ihrer Redakteure waren vergangenen Freitag von einem Staatsanwalt in Athen vernommen worden. Sie wiesen den Vorwurf der Erpressung und der Veruntreuung zurück. Allerdings gibt es neben der Zeugenaussage auch Zahlungsbelege. Einer kommt zudem von der konservativen früheren Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) – für freundliche Artikel über die Partei, wie griechische Medien berichteten, nicht etwa für Inserate.

Tsipras-Vertrauter im Visier

Akropolis wurde im 19. Jahrhundert gegründet und stellte mehrfach sein Erscheinen ein. Das Blatt teilt heute auch Positionen der Faschistenpartei Goldene Morgenröte, hängt an vielen Trafiken in Athen aus, soll aber nur wenige Hundert Exemplare am Tag verkaufen. Staatsminister Nikos Pappas, der ebenfalls als ein bevorzugtes Ziel von Akropolis genannt wird und ein Vertrauter von Premier Alexis Tsipras ist, rief die Nea Dimokratia am Montag auf, ihre Journalistenkreise offenzulegen. Pappas hat weitgehend in Alleinregie das erste Gesetz über die Vergabe von TV-Lizenzen in Griechenland veranlasst. Für den Mangel an Kontrolle bei der kommenden Ausschreibung der Lizenzen wird er kritisiert. (Markus Bernath aus Athen, 1.3.2016)

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