Auf der Suche nach neuen Krankheiten

6. März 2016, 09:41
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Die Tirolerin Simone Mader hilft bei der Enträtselung von Autoimmunerkrankungen

Die junge Wissenschafterin hört seit geraumer Zeit den Berg wieder rufen. In New York City lässt es sich nämlich fabelhaft forschen, allerdings weniger gut wandern. Deshalb freut sich Simone Mader über das kürzlich erhaltene L'Oréal-Stipendium des Schminkmittelmultis und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auch deshalb: Es ermöglicht ihr die Rückkehr in ihre Heimat Tirol, wo sie lebte, studierte und leidenschaftlich forschte, bevor es sie vor vier Jahren in die Staaten zog.

"In den USA gibt es mehr Geld für Forschung, mehr Langzeitperspektiven, und die Bedingungen sind besser", sagt sie. "Deshalb war die Entscheidung nicht leicht, aber ich möchte jetzt wieder nach Österreich und meine nächsten Schritte planen." Mader ist 33 Jahre alt und promovierte vor fünf Jahren an der Medizinischen Universität Innsbruck im Fach Neurowissenschaften. Ihr Spezialgebiet: multiple Sklerose, also jene Krankheit, die umgangssprachlich unter den Buchstaben MS bekannt ist.

Weltweit leiden rund 2,5 Millionen Menschen an dieser Autoimmunstörung. Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter – doch man kennt ihre genaue Ursache nicht, und es gibt bis heute keine Heilung. Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. "Im Bereich der Behandlungsmethoden hat sich in den vergangenen Jahren viel Positives getan", sagt Mader. "Aber es ist noch viel zu tun für Forscher."

Im Zuge ihrer Doktorarbeit hat Mader sich mit der Rolle von sogenannten gehirnreaktiven Antikörpern in der MS auseinandergesetzt. Ihre Arbeiten haben dann wesentlich zur Definition einer neuen Autoimmunerkrankung beigetragen. "Im Jahr 2004 wurde ein Antikörper entdeckt, der das Wasserkanalprotein Aquaporin-4 bindet", sagt Mader. "Ich habe im Team einen neuen Test entwickelt, mit dem man ihn mit hoher Genauigkeit im Blut von betroffenen Patienten nachweisen kann." Neuromyelitis optica heißt das Leiden, das nun früher und exakter detektiert werden kann und inzwischen nicht mehr als Sonderform von MS, sondern als eigenständige Erkrankung gilt.

Seit dem Jahr 2012 arbeitet Mader als Postdoc im Labor für autoimmune Erkrankungen am New Yorker Feinstein Institute. "Ich glaube, heutzutage ist es für junge Forscher wichtig, dass sie es ins Ausland wagen und flexibel sind", sagt Mader. In den USA habe sie viel Wissen über Autoimmunerkrankungen sammeln können, das sie auf ihr spezielles Feld, die MS-Forschung, übertragen möchte. Darüber hinaus arbeite sie in dem New Yorker Labor mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden. "Ich habe viele Ideen, die ich aus den USA mitnehmen und umsetzen will."

Ihr großes Ziel sei es, die Ursachen und Mechanismen der Krankheit besser zu verstehen und damit wichtige Erkenntnisse in die Diagnostik und Therapie von multipler Sklerose einfließen zu lassen. Bis dahin möchte sie daran arbeiten, neue Autoimmunerkrankungen zu entdecken und zu definieren.

Vorerst will sie aber auch – solange sie noch dort ist – das kulturelle Leben der Großstadt New York auskosten. Bald wird sie dann als Ausgleich zum intensiven Forschen wieder wandern. (Katharina Mittelstaedt, 6.3.2016)

  • Mader ist 33 Jahre alt und hat sich auf die Erkrankung multiple Sklerose spezialisiert.
    foto: privat

    Mader ist 33 Jahre alt und hat sich auf die Erkrankung multiple Sklerose spezialisiert.

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