Bei Craft-Bier ist meist Ideologie im Spiel

Kolumne8. März 2016, 14:34
48 Postings

Kleine gegen Große: Die Bierwelt tickt anders

Frank Broer, der am vorigen Wochenende die fünfte Ausgabe seines Craft-Bier-Festes "Braukunst Live" in München veranstaltete, hat ein Problem. Der Organisator erscheint vielen Leuten in der bunten Bierszene zu wenig bunt, zu wenig dem "Small is beautiful"-Ideal verpflichtet. Böse Kommentare habe er in den sozialen Medien bekommen, arge Beschimpfungen in seiner Mailbox gefunden, weil er sein Festival von Premium-Partnern (im Wesentlichen: größeren Brauereien) sponsern lässt, die dann auch mit größeren Ständen auftreten dürfen.

Die Bierwelt ist anders

Ganz verstehen kann er die Aufregung nicht – denn in der Spirituosenwelt, für die er seit vielen Jahren Veranstaltungen managt, käme kein Besucher und erst recht kein Aussteller auf die Idee, den Messeauftritt von Großkonzernen (die über Massenware ebenso wie feine Raritäten verfügen) zu kritisieren. Die Bierwelt ist da anders.

Hatten jahrelang die Großbrauer und ihre Fans die Microbrewer und deren Produkte belächelt, so gibt es nun umgekehrt immer mehr Craft-Beer-Ideologen, die Schneider Weisse (die schon Craft-Beer braute, als noch keiner in Europa den Begriff verwendete), Pilsner Urquell (immerhin Erfinder des Pilsners) oder auch Braufactum (das für Craft-Beer einen Massenmarkt öffnete) verachten. Dabei sollte in der Bierwelt doch noch immer der alte Spruch gelten: Erst kosten, dann schimpfen! (Conrad Seidl, RONDO, 8.3.2016)

  • In der Bierwelt sollte noch immer der alte Spruch gelten: Erst kosten, dann schimpfen!
    foto: ap / petr david josek

    In der Bierwelt sollte noch immer der alte Spruch gelten: Erst kosten, dann schimpfen!

Share if you care.