Filmfonds Wien fördert "Happy End" von Michael Haneke

1. März 2016, 14:44
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Auch "Böse Spiele" von Ulrich Seidl und Verfilmung von "Blasmusikpop" unter elf geförderten Projekten

Wien – Mit "Bösen Spielen" und "Blasmusikpop" zum "Happy End": Ein von der Flüchtlingskrise beeinflusstes Drama von Michael Haneke, ein neuer Spielfilm von Ulrich Seidl und die Adaption von Vea Kaisers gefeiertem Debütroman "Blasmusikpop" sind unter den elf Projekten, die der Filmfonds Wien in seiner ersten Jurysitzung des Jahres mit rund 1,45 Millionen Euro fördert.

Für seinen neuen Film arbeitet Haneke erneut mit den Stars seines Cannes- und Oscar-Gewinners "Liebe" zusammen: Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant stehen diesen Frühling im nordfranzösischen Calais für "Happy End" vor der Kamera. Nicht die Flüchtlingskrise per se steht im Zentrum, sondern eine "bürgerliche europäische Familie", die in "ihrer eigenen Lebenswirklichkeit am Wohnort Calais, Transitraum vieler Flüchtlinge", verhaftet ist, so die Beschreibung in der Förderzusage. Produziert wird der Film wie gewohnt federführend von der Wega-Film als österreichisch-französisch-deutsche Koproduktion.

Auf eine bewährte Hauptdarstellerin greift auch die Wiener Regisseurin Katharina Mückstein zurück, die in ihrem Zweitling "L'animale" nach "Talea" erneut Sophie Stockinger in einem Coming-of-Age-Drama inszeniert (Nikolaus Geyrhalter Film). Herstellungsförderung erhalten zudem Ruth Beckermanns Filmprojekt über die Waldheim-Affäre ("Waldheim oder The Art of Forgetting"), Susanne Freunds Porträt des Gefängnis-Ausbrechers Adolf Schandl ("Ich bin ein schlechter Mensch", kurt mayer film) und die Doku "Kleine Germanen" über in Neonazi-Familien hineingeborene Kinder von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger (koproduziert von Golden Girls Film).

Ulrich Seidls "Böse Spiele"

Seiner Doku "Im Keller" lässt Ulrich Seidl einstweilen "Böse Spiele" folgen: Die gemeinsam mit Veronika Franz entwickelte Geschichte zweier Brüder, "deren getrennte Leben in der Fremde nach einem Zusammentreffen von der Vergangenheit, Sehnsüchten und Abgründen eingeholt werden", wird vom Filmfonds mit Projektentwicklungsförderung bedacht. Die Hauptrollen sollen Michael Thomas und Georg Friedrich spielen, die schon für Seidls "Import Export" gemeinsam vor der Kamera standen.

Zwei Nachwuchshoffnungen aus der Film- und Literaturbranche treffen dank "Blasmusikpop" zusammen: Catalina Molina, 2013 für ihren Kurzfilm "Unser Lied" mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet, verfilmt im kommenden Jahr Vea Kaisers gefeierten satirischen Heimatroman (Novotny & Novotny). Das Debüt des Jahres 2012 adaptiert Alrun Fichtenbauer für die Leinwand. Eines autobiografischen Erzählbands von André Heller nehmen sich wiederum Rupert Henning und "Vorstadtweiber"-Erfolgsautor Uli Brée an: "Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein" (Dor Film) erzählt vom Sohn eines jüdischen Süßwarenfabrikanten, der von seinem Vater und den Patres am Jesuitenkolleg gleichermaßen unterdrückt wird.

Dunklen, schweren Stunden der Vergangenheit widmet sich auch Sabine Derflinger, die nach einem Drehbuch von Susanne Rendl "Josefa und das Kind der Polin" (Witcraft Szenario) inszeniert. Im kurz vor Kriegsende 1945 angesiedelten Drama widersetzt sich die Bäuerin Josefa den Nazis, um einem Kind das Leben zu retten. Eines leichteren Stoffs nimmt sich Andreas Schmied an, der seinem Kinohit "Die Werkstürmer" mit "Hals über Kopf" (Aichholzer Film) eine Komödie über eine erpresserische Bankierstochter folgen lässt. Und Iva Svarcova und Malte Ludin gestalten unter dem Titel "Tonsüchtig" (kurt mayer film) ein Porträt der Wiener Symphoniker. (APA, 1.3.2016)

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