Ernährungstrends: Vegan, Steinzeitkost und Astronautennahrung

1. März 2016, 14:42
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Ernährungsexperten äußern sich zu Ernährungsweisen – Fazit: Nicht alles was gesund klingt, ist es auch

Berlin – Obst und Gemüse sind gesund. Daran gibt es kaum Zweifel. Doch auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. So kann etwa exzessiver Genuss von Fructose die Herzzellen unkontrolliert wachsen lassen, wie Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich herausgefunden haben. Vorausgesetzt, der Mensch leidet an Bluthochdruck.

Kritik üben Ernährungsexperten auch an der sogenannten Rohkost. Das heißt, kein Lebensmittel wird über 42 Grad erhitzt. Nur roh macht aber nicht froh, wie Ernährungsberaterin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont: "Es gibt einige Lebensmittel, die roh Giftstoffe enthalten." Andere Gemüsesorten gäben bestimmte Nährstoffe wiederum nur erhitzt frei.

Steinzeitkost und Flüssignahrung

Bei einer paläolithischen Ernährung kommt nur auf den Tisch, was es schon in der Steinzeit gab. Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot sind somit tabu. Ernährungswissenschafter betonen aber, dass der menschliche Körper nicht mehr dieselben Bedürfnisse bzw. Energiezufuhr benötigt wie vor zwei Millionen Jahren.

Wem die Steinzeitkost zu anachronistisch erscheint, kann auch völlig auf Essensrituale verzichten: Inzwischen gibt es Pulver, die mit Wasser aufgegossen werden, und feste Nahrung ersetzen sollen. Das Berliner Unternehmen nu3 brachte mit "Compleat" jüngst einen solche Raumfahrernahrung auf den Markt. "Man kann schon erreichen, dass in Nahrungsersatz die wichtigsten Nährstoffe drin sind", sagt Ernährungswissenschaftler Guido Ritter von der Fachhochschule Münster. Eine dauerhafte Alternative sei das aber nicht.

Bereits im Jahr 2013 sorgte ein Software-Ingenieur in den USA mit der wenig vertrauenswürdig klingenden Ersatznahrung "Soylent" für Schlagzeilen. Die Bezeichnung stammt aus einen Science-Fiktion-Film aus den 1970er-Jahren in der "Soylent Green" den Hunger auf der Welt stillen soll. Das Problem an der Sache: Die futuristische Nahrung wird aus Leichen gewonnen.

Vegan: Ja, aber ...

Egal ob gluten- oder laktosefreie Ernährung: Antje Gahl beobachtet einen "Frei von"-Trend. Mittlerweile greifen ihr zufolge nicht nur Betroffene zu solchen Produkten. In Österreich dürften laut der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung rund zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung eine Laktoseintoleranz aufweisen.

Fleisch, Fisch, Honig, Eier, Milch: Tierische Lebensmittel sind für Veganer tabu. Neun Prozent der Österreicher ernähren sich vegetarisch oder vegan, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IFES im Jahr 2013 ergab. "Für einen gesunden Erwachsenen ist es durchaus machbar, sich vegan zu ernähren", sagt Gahl. Vitamin B12, das vor allem in tierischen Produkten vorkomme, müsse aber zugesetzt werden.

Der Trend zur veganen Ernährung treibt aber auch neue Blüten: Unter #veggan veröffentlichten Veganer im Netz Fotos ihrer Mahlzeiten mit eigentlich verpönten Eiern – auf deren Nährstoffe wollen die sogenannten Ovo-Vegetarier nämlich nicht verzichten. #veggan ist eine Neuschöpfung aus vegan und dem englischen Wort egg (Ei).

"Superfood" ohne Wunder

Lebensmittel wie Chia-Samen, Goji- oder Acai-Beeren sollen einen besonders hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Stoffen haben. Inzwischen gibt es eigene Lokale und Kochbücher mit solchen "Superfoods". "Sie können den Speiseplan sicherlich ergänzen und vervielfältigen", sagt die DGE-Expertin Gahl. "Aber man sollte sich keine Wunder davon erhoffen." (red, APA, dpa, 1.3.2016)

  • Berliner Unternehmen nu3 hat mit mit "Compleat" ein Pulver entwickelt, das feste Nahrung ersetzen soll.
    foto: apa/dpa/britta pedersen

    Berliner Unternehmen nu3 hat mit mit "Compleat" ein Pulver entwickelt, das feste Nahrung ersetzen soll.

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