Flüchtlinge landen nach und nach offiziell in der Arbeitslosigkeit

1. März 2016, 17:29
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Von der wachsenden Arbeitslosigkeit waren im Februar nur noch Ausländer betroffen. Zwei Drittel des Anstiegs entfallen mittlerweile auf Flüchtlinge

Wien – Der Flüchtlingsstrom vom Vorjahr schlägt sich immer mehr in der heimischen Arbeitslosenstatistik nieder. Auf den ersten Blick ist die Zahl der arbeitslosen Ausländer im Februar wieder stark gestiegen. Ein Trend, der schon seit längerem anhält. Eine genauere Analyse der Daten zeigt aber, dass ein Großteil des Anstiegs im Februar auf Flüchtlinge zurückzuführen ist, die mit einem positiven Asylbescheid nach und nach in der offiziellen Statistik des AMS landen.

grafik: standard

So ist die Zahl der arbeitslosen Ausländer im Februar um 9,5 Prozent gestiegen. Zwei Drittel dieses Anstiegs sind aber auf Flüchtlinge zurückzuführen. Genauer: Knapp 8.000 Flüchtlinge sind zusätzlich als arbeitslos gemeldet. In Summe sind jetzt gut 22.000 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte beim AMS gemeldet. Daraus lässt sich aber keine Verschlechterung ihrer Lage ablesen.

Der Großteil der Flüchtlinge muss anfangs Deutsch lernen, andere Kurse besuchen oder Qualifikationen anerkennen lassen. In der offiziellen Statistik des AMS aufzuscheinen ändert daran nichts. Schon seit Dezember ist mehr als die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen unter Ausländern auf in die Statistik fallende Flüchtlinge zurückzuführen.

Rückgang bei Österreichern

Die zuletzt etwas besser laufende Konjunktur und der für die Bauwirtschaft sehr positive milde Februar haben die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit österreichischem Pass im Februar seit langem wieder zurückgehen lassen. Die Zahl der Arbeitslosen ist um 0,6 Prozent gefallen. Auch bereits länger in Österreich lebende Ausländer profitieren von der besseren Wirtschaftslage: Lässt man die Flüchtlinge außen vor, ist die Arbeitslosigkeit unter Ausländern um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Generell steigt die Arbeitslosigkeit unter Ausländern aber seit Jahren deutlich stärker an als unter Inländern. Während die Arbeitslosenquote (ohne Schulungen) bei Inländern seit 2010 von 6,5 auf 8,1 Prozent gestiegen ist, war der Anstieg von 9,6 auf 13,5 Prozent bei den Ausländern ungleich dramatischer. AMS-Vorstand Johannes Kopf erklärt das damit, dass qualifizierte neue Zuwanderer schon länger hier lebende schlechter ausgebildete Ausländer verdrängen.

Milder Februar verzerrt

Kopf warnt gleichzeitig davor, die recht guten Februar-Zahlen überzubewerten: Der zweitwärmste Februar in der 250-jährigen Messgeschichte spiegle sich deutlich wider. Der weniger deutliche Anstieg bei den gemeldeten Arbeitslosen sei insbesondere auf einen gegenüber dem Vorjahr starken Rückgang der Bauarbeitslosigkeit um mehr als 7000 Personen sowie eine konjunkturelle Verbesserung in der Industrie zurückzuführen.

Der kräftige Rückgang der Arbeitslosenzahlen in der Baubranche um zehn Prozent hat die Zahl der jobsuchenden Männer um 0,4 Prozent sinken lassen. Per Ende Februar gab es hingegen ein kräftiges Plus bei Frauen (plus 6,3 Prozent). Der Anstieg im Gesundheitswesen liegt bei 9,4 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen über 50 ist um 5,9 Prozent gestiegen.

Minus in sechs Bundesländern

Interessant ist auch die ungleiche Entwicklung je nach Region: In allen Bundesländern außer Wien (plus acht Prozent), Niederösterreich (plus 0,4 Prozent) und der Steiermark (stagnierend) ist die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Monat gesunken.

Die Zahl der Jobs ist in Österreich im Februar weiter gestiegen. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Februar laut einer vorläufigen Prognose um 46.000 Personen (plus 1,4 Prozent). Die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen ist – wie im Vormonat – stark um mehr als 40 Prozent auf 35.851 gestiegen.

Im Euroraum ist die Arbeitslosenquote im Jänner indessen auf 10,3 Prozent zurückgegangen, der niedrigste Wert seit 2011. Österreich kommt so auf 5,9 Prozent. (Simon Moser, Andreas Sator, 1.3.2016)

  • Ein weniger dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit als zuletzt, der jedoch zu einem Gutteil auf den warmen Winter zurückzuführen sein dürfte: Das ist der Befund aus den Arbeitsmarktdaten für Februar.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Ein weniger dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit als zuletzt, der jedoch zu einem Gutteil auf den warmen Winter zurückzuführen sein dürfte: Das ist der Befund aus den Arbeitsmarktdaten für Februar.

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