DM will rezeptfreie Medikamente verkaufen

29. Februar 2016, 18:08
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Individualantrag heute eingereicht – Drogeriekette will Apothekenpreise deutlich unterbieten – Bis zu 80 Millionen Mehrumsatz pro Jahr möglich

Wien/Wals – Die Drogeriekette DM will rezeptfreie Medikamente verkaufen dürfen. Gewappnet mit einem Gutachten des Verfassungsrechtlers Heinz Mayer wird am Montag ein Individualantrag beim Verfassungsgerichtshof eingereicht, berichtete das Ö1-"Mittagsjournal". DM will Medikamente deutlich billiger als in den Apotheken anbieten.

Der Verkauf rezeptfreier Medikamente ist seit 2015 auch in Onlineportalen österreichischer Apotheken möglich. Dass Drogerien keine rezeptfreien Medikamente verkaufen dürfen, ist für Mayer verfassungswidrig, weil es keinen sachlichen Unterschied gebe, der diese rechtliche Ungleichbehandlung rechtfertigen könnte. Der Apothekervorbehalt verstoße demnach gegen den Gleichheitssatz. Mit dem Individualantrag wird nun eine Gesetzesprüfung angeregt. Dabei soll eine Reihe von Paragrafen, insbesondere im Arzneimittelgesetz, geprüft werden.

Neue Jobs bei DM

Bei DM erhofft man sich eine Umsatzsteigerung von bis zu 80 Millionen Euro pro Jahr. Die rezeptfreien Medikamente sollen im Drogeriemarkt so billig angeboten werden, dass sich jede Familie 100 Euro im Jahr sparen würde, meint DM-Geschäftsführer Harald Bauer. Außerdem will er für den Verkauf Pharmazeuten und eigens ausgebildete Drogisten einstellen.

Die Apotheker, die übers Internet rezeptfreie Medikamente verkaufen dürfen, bieten begleitend zum Onlineverkauf eine Beratungsmöglichkeit an. Dies wolle auch dm so umsetzen, indem nämlich in den Filialen oder beim Onlineverkauf eine Gratishotline mittels Telefon oder Internet zu einem Pharmazeuten eingerichtet wird. Dann werde dieselbe Beratungsqualität wie von Apothekern gewährleistet, sagte DM-Sprecher Stefan Ornig.

Billiger als Apotheken

Derzeit darf dm nur sogenannte "Nahrungsergänzungsmittel" verkaufen, nicht einmal eine Fußpilzcreme ist im Sortiment erlaubt. Der nun angepeilte Markt der rezeptfreien Arzneimittel ist in Österreich laut Ornig etwas weniger als 300 Millionen Euro schwer. Würde ein Drittel davon auf dm entfallen, wären das 100 Millionen Euro. Da dm die Produkte um 20 Prozent billiger als der Apothekenpreis anbieten will, würde sich ein jährlicher Mehrumsatz von 80 Millionen Euro für dm ergeben, rechnet Ornig vor.

Im Geschäftsjahr 2014/15 wurde in Österreich von dm ein Umsatz von 801 Millionen Euro erwirtschaftet, der Umsatz könnte also mit rezeptfreien Arzneimitteln um zehn Prozent gesteigert werden. (APA, 29.2.2016)

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