Sogar Drohungen gehören heute zum US-Wahlkampf

1. März 2016, 15:20
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Anhänger von Bernie Sanders machen Druck auf Superdelegierte, die für Hillary Clinton stimmen wollen

Nicht nur bei den Republikanern wird mit harten Bandagen gekämpft: Auch – ausgerechnet! – im Lager des demokratischen Kandidaten Bernie Sanders sind Vorgänge zu beobachten, die nicht zum herkömmlichen Polit-Fairplay gehören.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Montag von einer Initiative, um die Superdelegierten auf die Seite des 74-jährigen Senators aus dem Bundesstaat Vermont zu ziehen. Die Superdelegierten: Das ist eine privilegierte Gruppe von 15 Prozent der insgesamt mehr als 4.700 Gesandten, die auf dem demokratischen Nominierungsparteitag Ende Juli ihre Stimme abgeben können. Sie sind – anders als der Rest – nicht an die Vorwahlergebnisse ihrer jeweiligen Heimatstaaten gebunden. Soll heißen: Sie können nach eigenem Gutdünken für Hillary Clinton oder Bernie Sanders stimmen.

Neuer politischer Faktor

Bisher hatten diese Senatoren, Kongressmitglieder, Gouverneure und anderen führenden Politiker keine wahlentscheidende Bedeutung. Das könnte diesmal in Philadelphia ganz anders sein: Etliche dieser formal Unabhängigen berichteten nun Reuters von Versuchen, sie zum Überlaufen aus dem Clinton-Lager zu überzeugen. So manche Kontaktaufnahme sei sogar anonym erfolgt – und mit kaum verschleierten Drohungen versehen: So habe die Latino-Aktivistin Isabel Framer aus Ohio, eine Unterstützerin Clintons, auf ihrem Anrufbeantworter die Stimme eines ihr unbekannten Mannes gehört: "Ich denke, dass es Mist ist, dass du einfach so abstimmen kannst, wie du willst. Ich werde dich beobachten!"

Auch andere Superdelegierte im Clinton-Verbund wussten zu berichten, dass Sanders-Anhänger sie seit Wochen kontaktieren, um sie umzustimmen – zwar ohne Drohungen, aber doch meist mit hörbarem Ärger aufs Establishment in der Stimme.

Sanders' Büro weiß nichts

Wer hinter der "Umstimmungskampagne" steckt, bleibt vorerst ein Rätsel: Sanders' Büro weiß offiziell von nichts. Von den mehr als 700 Superdelegierten haben sich bisher mehr als 450 für Clinton und rund 20 für Sanders deklariert. (Gianluca Wallisch, 1.3.2016)

  • Bernie Sanders erfährt – für ihn wohl unwillkommene – Hilfe von Anhängern: Diese bedrängen mit teils unfairen Methoden mehrere Superdelegierte, nicht für Hillary Clinton zu stimmen.
    foto: reuters/brian snyder

    Bernie Sanders erfährt – für ihn wohl unwillkommene – Hilfe von Anhängern: Diese bedrängen mit teils unfairen Methoden mehrere Superdelegierte, nicht für Hillary Clinton zu stimmen.

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