Trumps Gegnern vergeht das Lächeln

1. März 2016, 15:05
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Das republikanische Enfant terrible bricht alle politischen Regeln, ohne Schaden zu nehmen. Im Establishment der Republikaner macht sich Panik breit

Panik und Bestürzung, ein letztes Aufbäumen und bereits eine Prise Fatalismus: Noch nie in der jüngeren Vergangenheit haben die Strategen der Grand Old Party derart ratlos auf ein Bewerberrennen in den eigenen Reihen geschaut.

Zu lange haben führende Republikaner, ähnlich wie die meisten Kolumnisten, Donald Trump als schräges Kurzzeitphänomen belächelt. Zu lange galt das Szenario, nach dem sich der selbstverliebte Unternehmer die Präsidentschaftskandidatur sichern könnte, als zu absurd, um es ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Inzwischen marschiert Trump mit einem Schwung durch die Vorwahlen, dass die ersten Rivalen von früher bereits zu ihm überlaufen. Den Anfang machte Chris Christie, der Gouverneur New Jerseys, der den New Yorker Baulöwen einst wegen großmäulig übertünchter Inhaltsleere verspottet hatte und sich nun den Vorwurf gefallen lassen muss, dass sein Opportunismus keinerlei Anstandsgrenzen kennt.

Die Blamage kam nicht

Lange galt die Devise, den Rüpel einfach zu ignorieren. Es galt das Prinzip Hoffnung, nach dem sich Trump auf dem glatten Parkett der Politik derart blamieren würde, dass seinem Aufstieg ein jäher Fall folgen würde.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen: Trump hat die Vorwahlen in drei von vier Staaten gewonnen, die traditionell den Auftakt bilden. Vor dem Super Tuesday – an dem 595 der 2.472 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli zu vergeben sind – liegt er in den meisten Umfragen an erster Stelle. Bestätigt sich, was die Meinungsforscher ermittelt haben, dürfte Trump kaum noch aufzuhalten sein. Dann wäre er womöglich schon in wenigen Wochen der Kandidat der Konservativen für die Nachfolge des Präsidenten Barack Obama.

Ein Albtraum wird wahr

Aus Sicht des Establishments bedeutet es, dass ein Albtraum wahr würde. Mit Trump, sagt Nikki Haley, die Gouverneurin South Carolinas, hätte die Partei keine Chance, das Finale gegen Hillary Clinton, die voraussichtliche Kandidatin der Demokraten, zu gewinnen. Bei höchstens 35 Prozent der Wähler fände der Mann Unterstützung, orakelt sie. Auch Leute, die normalerweise mit den Republikanern sympathisieren, würden Clinton den Zuschlag geben, nur um Trump zu verhindern.

Am Wochenende sorgte der Immobilienmogul einmal mehr für Furore, als er es ablehnte, sich vom Ku-Klux-Klan zu distanzieren. David Duke, ein früherer Anführer des rassistischen Geheimbundes, hatte ihn zur Wahl empfohlen. Bei CNN darauf angesprochen, sagte Trump, er wisse nichts über Duke, sodass er ihn auch nicht verurteilen könne.

Mussolini auf Twitter

Zuvor hatte er den 6,48 Millionen Followern auf Twitter ein Zitat des italienischen Diktators Benito Mussolini ans Herz gelegt: "Besser einen Tag als Löwe leben als hundert Jahre als Schaf." Die Frage eines NBC-Moderators, ob er die geistige Nähe eines Faschisten suche, beantwortete er mit achselzuckender Lässigkeit: Der Spruch gefalle ihm, egal, ob er auf Mussolini zurückgehe.

Welche Alarmstimmung der Siegeszug des Populisten ausgelöst hat, ließ sich dieser Tage auch an einem dramatischen Leitartikel der "Washington Post" ablesen: Republikaner wie Mitt Romney, John McCain, George W. Bush und Paul Ryan müssten alles in ihrer Macht Stehende tun, um Trump zu stoppen, mahnte das Blatt.

Dramatischer Leitartikel

"Er will, dass die Vereinigten Staaten Kriegsverbrechen begehen, darunter Folter und die Ermordung unschuldiger Angehöriger von Terrorverdächtigen." Trump verehre Wladimir Putin und würde elf Millionen illegal eingewanderte Menschen deportieren – "eine Zwangsumsiedlung von einer Dimension, wie sie seit Stalin und Pol Pot nicht versucht wurde". Im Laufe der Kampagne habe er Frauen, Juden, Muslime, Mexikaner, Menschen mit Behinderungen und viele andere herabgesetzt. Ob sich die Republikanische Partei nicht mit aller Kraft gegen ihre eigene Entwürdigung wehren wolle, fragte die Zeitung.

Die Hoffnungen, den Durchmarsch noch zu verhindern, ruhen auf komplizierten Szenarien – und auf Marco Rubio, dem Senator aus Florida. Alle setzen praktisch voraus, dass Rubio als einziger Gegner Trumps im Rennen bleibt. Je früher die drei anderen – Ted Cruz, John Kasich und Ben Carson – aussteigen, desto besser aus Sicht der Parteistrategen. Die wünschen sich momentan nichts mehr, als dass Cruz am Dienstag in seinem Heimatstaat Texas den Kürzeren zieht. Sollte Cruz den Heimsieg nicht schaffen, wäre sein Verbleib im Rennen kaum noch zu rechtfertigen. Rubio würde es genügen, relativ gut abzuschneiden, selbst wenn er bei den meisten Abstimmungen nur auf dem zweiten Platz landen dürfte.

Weiterer Showdown am 15. März

Am 15. März käme es dann zum Showdown zwischen Rubio und Trump in Florida, Illinois, Missouri und Ohio. Erstmals in diesem Wahlzyklus finden dann Primaries statt, die sich statt nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit nach der Regel "Winner takes all" richten: Der Erstplatzierte holt absolut alle Delegiertenmandate, der Zweitplatzierte geht leer aus.

Nicht auszuschließen, dass Rubio das Kunststück gelingt. Allerdings setzt es voraus, dass auch Kasich bis dahin aufgibt. Der Gouverneur Ohios gilt als Favorit im Bundesstaat – er müsste das Feld also vor dem 15. März räumen, um Rubio im "Buckeye State" freie Bahn zu verschaffen. Im Moment deutet aber nichts darauf hin, dass er sich darauf einlassen wird. (Frank Herrmann aus Washington, 1.3.2016)

  • Donald Trump ist nicht nur in Alabama im Anflug (Bild, im Privatjet), sondern auch bei der Republikanischen Partei. Bisher fehlt es an Konzepten, seine Kandidatur zu verhindern.
    foto: afp / getty images / scott olson

    Donald Trump ist nicht nur in Alabama im Anflug (Bild, im Privatjet), sondern auch bei der Republikanischen Partei. Bisher fehlt es an Konzepten, seine Kandidatur zu verhindern.

  • Nicht zu stoppen, ob es dem Establishment passt oder nicht: Donald Trump.
    foto: reuters/jonathan alcorn

    Nicht zu stoppen, ob es dem Establishment passt oder nicht: Donald Trump.

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