Zwangsheiraten: Wiener Notwohnung erwartet wegen Flüchtlingen mehr Bedarf

15. März 2016, 10:17
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Sprecherin des Vereins Orient Express: "Zwei Wohnungen wären ein Traum"

Wien – Die vom Verein Orient Express geleitete Notwohnung für von Zwangsheirat bedrohte Frauen und Mädchen in Wien ist "fast immer voll". Durch den Flüchtlingsandrang in den vergangenen Monaten sieht Sprecherin Gül Ayse Basari zwar aktuell noch keine Auswirkungen, steigende Zahlen seien jedoch in den kommenden Jahren zu erwarten.

Die Notwohnung für von Zwangsheirat Betroffene hat im Sommer 2013 ihren Betrieb aufgenommen. Seither wurden über 50 Mädchen und Frauen in Notsituationen untergebracht, allein im Vorjahr waren es laut Basari 32. Durchschnittlich leben sechs bis zehn Frauen in der Wohnung. "Weniger als sechs sind es nicht, manchmal sind wir überlastet", stellt die Sprecherin fest und verwies darauf, dass auch aus den Bundesländern Frauen in die Einrichtung geschickt werden.

Die Dauer des Aufenthalts ist dabei unterschiedlich, bis zu mehreren Monaten müssen manche Betroffene bleiben. "Wir hätten gerne zwei Wohnungen, aber das ist nur ein Wunschtraum. Der Bedarf ist da." Die Auslastung zeige wiederum, dass die Einrichtung wichtig ist, sieht Basari eine Dauerfinanzierung gefordert. Derzeit sei für die Finanzierung eine jährliche Bewerbung nötig, erklärte sie. Ziel sei es daher, als dauerhafte Interventionsstelle angesehen und finanziert zu werden. Das Budget stellen Innen- und Frauenministerium mit je 185.000 Euro jährlich, hieß es aus den beiden Ressorts.

200 jährlich von Zwangsheirat betroffen

Aus welchen Ländern die betroffenen Frauen und Mädchen stammen, sei in der Betreuung irrelevant, ebenso wie der Aufenthaltsstatus. "Wir fragen nicht nach der Nationalität. Die Hauptsache ist, dass die Betroffenen Schutz bekommen", so Basari. Die in den vergangenen Monaten ins Land gekommenen Flüchtlinge kennen die Organisation noch nicht. Bei der Notwohnung sei daher auch kein größerer Andrang zu verzeichnen. "In ein paar Jahren glaube ich, wird das schon wirken", erwartet sie. Bei den Beratungen zählte die Frauenservicestelle 2014 101 Klientinnen, für das Vorjahr liegen noch keine Zahlen vor.

Laut Frauenministerium schätzen ExpertInnen, dass jährlich rund 200 Mädchen und junge Frauen von Zwangsheirat betroffen sind. In der Kriminalstatistik fallen diese Fälle unter Nötigung, eine eigene Statistik für Zwangsverheiratete und davon Bedrohte gibt es nicht. (APA, 15.3.2016)

  • Die Notwohnung für von Zwangsheirat Betroffene hat im Sommer 2013 ihren Betrieb aufgenommen.
    foto: apa/barbara gindl

    Die Notwohnung für von Zwangsheirat Betroffene hat im Sommer 2013 ihren Betrieb aufgenommen.

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