Fachkräftemangel: Wo in Österreich wirklich Arbeiter fehlen

1. März 2016, 10:18
883 Postings

Unternehmer beklagen gern den Mangel an Fachkräften. Was dran ist, war bisher kaum seriös zu belegen. Eine Studie bringt nun Licht ins Dunkel

Wien – Gastronomen beklagen immer wieder, dass sie kein geeignetes Personal für Küche oder Bedienung finden. Meist ist der Schuldige dafür schnell ausgemacht: der Fachkräftemangel. Dass das so wohl nicht ganz stimmt, legt eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) nahe, die dem STANDARD vorliegt.

Die Bezahlung im Gastgewerbe sei niedrig, die Arbeitsbedingungen oft schwierig. Wenn es einen Mangel an Arbeitskräften gäbe, müssten auch die Gehälter oder Überstunden steigen, tun sie aber kaum, heißt es in der Studie. Die Logik: Brauchten Wirtshäuser tatsächlich dringend Leute, wären sie auch bereit, mehr für sie zu zahlen. "Es gibt im Gastgewerbe keinen Hinweis auf einen Mangel", sagt Gerlinde Titelbach, eine der Autorinnen des Papiers, das sich wegen der eingeschränkten Datenlage nur auf die Jahre zwischen 2005 und 2010 beruft.

Seriöse Ebene

Die Idee hinter der Studie, die im Auftrag des Sozialministeriums erstellt wurde: die "politisch aufgeladene Diskussion" über einen möglichen Fachkräftemangel auf eine seriöse Ebene zu heben, sagt Titelbach. Bisher gebe es nur sehr subjektive Befragungen von Firmen und die Mangelberufsliste des Arbeitsmarktservice (AMS).

Die IHS-Forscher kommen zu einigen interessanten Erkenntnissen. So halten sie es für unwahrscheinlich, dass es unter Informatikern in der Zeit zwischen 2005 und 2010 zu wenig geeignete Fachkräfte gab. Beim AMS schienen sie aber bis vor kurzem noch unter den Mangelberufen auf.

Genügend Informatiker

Zwar ist die Nachfrage nach Informatikern stark gestiegen, heißt es in der Studie. Gleichzeitig sei aber auch das Angebot gewachsen. Die Löhne hätten sich außerdem unterdurchschnittlich entwickelt. Durch den raschen technologischen Wandel sei es aber nicht unwahrscheinlich, dass trotzdem einzelne Fachleute fehlen, etwa App-Programmierer. Auch bei IT-Leuten wie Datenverarbeitern wies das AMS lange einen Mangel aus, den das IHS nicht feststellen konnte.

Umgekehrt findet das Institut nur bei den Medizinern und Apothekern einen wahrscheinlichen Fachkräftemangel, der beim AMS nicht aufscheint. Das liegt auch daran, dass gutbezahlte Jobs dort oft erst gar nicht ausgeschrieben werden. Endgültig festlegen könne man sich aufgrund der alles andere als perfekten Datenlage aber nicht, sagt die Soziologin Titelbach. Neben einigen technischen Berufen (Dreher, Fräser, Ingenieure) findet das IHS aber vor allem eine Knappheit an Personal im Gesundheitsbereich. Auch die Pflegeberufe erfüllen die Definition eines "Fachkräftemangels".

Eingeschränkte Datenlage

Bei diplomierten Krankenschwestern sei ein Mangel möglich, aber nicht klar festzustellen, so die Studie. Auch die Schweißer und Maschinenschlosser fallen in diese Kategorie.

Aber auch das Papier der IHS-Ökonomen kämpft mit einigen Einschränkungen. Wegen der Datenlage konnte man sich nur knapp die Hälfte der unselbstständig Erwerbstätigen anschauen. Diese mussten außerdem in 22 grobe Berufsgruppen zusammengefasst werden. Das Ergebnis: In fünf Gruppen ist eine Knappheit an Arbeitskräften wahrscheinlich, in drei möglich und in 14 unwahrscheinlich. (Andreas Sator, 1.3.2016)

  • Wenn Gasthäuser in Österreich kein Personal finden, dann liegt das eher am Arbeitgeber als am Arbeitnehmer, zeigt eine neue Studie.
    foto: apa / gindl

    Wenn Gasthäuser in Österreich kein Personal finden, dann liegt das eher am Arbeitgeber als am Arbeitnehmer, zeigt eine neue Studie.

  • IHS-Studie zum Fachkräftemangel.

    Download
Share if you care.