ÖVP-Mandatar hält Merkel Kinderlosigkeit vor

29. Februar 2016, 13:58
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Marcus Franz-"Theorie" in Blogeintrag: Deutsche Kanzlerin holt viele Flüchtlings ins Land, weil sie selber keine Kinder hat

Wien/Berlin – Im sich zuspitzenden Zwist zwischen Deutschland und Österreich hat sich der ÖVP-Abgeordnete Marcus Franz mit einer provokanten "Theorie" zu Wort gemeldet: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "hole" viele Flüchtlinge ins Land, weil sie damit ihre Kinderlosigkeit "wieder gut machen" wolle, schreibt er in einem aktuellen Blogeintrag.

Franz trat in dem auf der Plattform "Fisch+Fleisch" veröffentlichten Beitrag an, einen möglichen "ganz simplen tiefenpsychologischen Hintergrund" der Flüchtlingspolitik Merkels zu beleuchten. Er verweist auf die Kinderlosigkeit der deutschen Kanzlerin, wo doch "für das Fortbestehen einer Gesellschaft 2,1 Kinder pro Frau notwendig" sei.

"Die Theorie lautet: Frau Merkel will als die metaphorische 'Mutti' des Staates das negative Faktum der nicht vorhandenen oder zu wenigen eigenen Kinder mit der Einbringung vieler, vieler junger Migranten wieder gut machen", so Franz wörtlich. Das "persönliche Motiv" der Kanzlerin sei nach dieser Theorie "Selbstentlastung und Kompensation" und die "Stillung des persönlichen Bedürfnisses nach Wiedergutmachung".

SPÖ sieht Lopatka gefordert

Die SPÖ reagierte am Montag empört. Die Aussagen seien "zutiefst sexistisch", so Frauensprecherin Gisela Wurm in einer Aussendung: "Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – keine Kinder haben, haben in den Augen des ÖVP-Abgeordneten offenbar einen Mangel und ein Defizit, das sie 'wiedergutmachen' müssen." Wurm sowie ihre Fraktionskollegin Katharina Kucharowits sehen ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka gefordert – "eine Entschuldigung ist das Mindeste".

Der ÖVP-Klub distanzierte sich Montag nachmittag von den Äußerungen. "Es ist ein unrichtiger und unnötiger Beitrag des Abgeordneten", hielt eine Sprecherin auf APA-Anfrage fest.

Lopatka: "Äußerung unglücklich"

Auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka hält sich selber strikt an das von ihm für den Klub vorgegebene Wording zu den Aussagen von Franz: "unrichtig und unnötig" seien diese. Auf Nachfrage des STANDARD, ob er die Entscheidung, Franz in den Klub aufzunehmen, für weiterhin richtig hält, antwortet Lopatka: "Er macht seine parlamentarische Arbeit ordentlich, aber manche Äußerung ist eben unglücklich."

Bei einem Gespräch mit dem deutschen CDU-Politiker Gunther Krichbaum, er ist Vorsitzender des EU-Ausschusses des deutschen Bundestags, habe er für die unglücklichen Worte des im Vorjahr vom Team Stronach zur ÖVP-gewechselten Politikers um Entschuldigung gebeten.

Wechsel vom Team Stronach

Marcus Franz wechselte vergangenes Jahr vom Team Stronach in den schwarzen Klub. Äußerungen von ihm haben immer wieder für breite Empörung gesorgt – etwa, als er in der Debatte über die Strafbarkeit von sexueller Belästigung das sogenannte "Pograpschen" als zulässiges Anbahnungsinstrument für ernsthafte Beziehungen verteidigt hatte. Freiwillige Kinderlosigkeit hatte der Internist 2013 nach seiner Wahl in den Nationalrat als "amoralisch" bezeichnet. (APA, cs, 29.2.2016)

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