Eintönige Unterstützungskomitees bringen wenig

Blog2. März 2016, 16:19
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Eine Persönlichkeitswahl braucht ein Personenkomitee – so die Logik beim Bundespräsidentenwahlkampf. Stimmt nicht, solche Gremien sind überholt

Im Bundespräsidentschaftswahlkampf werden sie uns wieder einmal nicht erspart bleiben: die Personenkomitees. Der "unabhängige" Grünen-Kandidat Alexander Van der Bellen hat seines bereits präsentiert. Irmgard Griss hat ihres für Ende März angekündigt, und auch Andreas Khols Team baut ein Unterstützungskomitee auf. Bei SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer ist bereits fix, dass Altkanzler Franz Vranitzky das Gremium leiten wird. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat sich diesbezüglich noch nicht geäußert.

Da bei dieser Direktwahl Kandidaten und keine Parteien gewählt werden, spielen die Persönlichkeiten eine große Rolle. Eine Reihe von Unterstützern zu präsentieren, die ein Loblied auf den Kandidaten singen, gehört zum guten Ton. Eigentlich hat sich diese Form der Wahlwerbung aber schon überholt.

Postings würden es auch tun

Damals war es notwendig, dass solche Gruppen zu Veranstaltungen laden und Pressekonferenz geben, um darüber zu informieren, dass sie einen Kandidaten unterstützen. Heutzutage kann in den sozialen Medien jeder ständig seine Meinung öffentlich kundtun. Prominente können über diese Kanäle ganz einfach ihre Unterstützung bekanntgeben. Einige Zitate von solchen Postings auf der Website der Kampagne wären völlig ausreichend. Ein Gremium mit Vorsitzendem braucht dazu niemand.

Außerdem geben die Begründungen der Unterstützer den Wählern meist nicht viel Einsicht. Als Beispiel sei das zweite Video der Hundstorfer-Kampagne genannt, in dem Weggefährten über ihn sprechen. "Ich weiß, dass er für alle Menschen da sein wird", sagt da eine ehemalige Mitarbeiterin. "Als persönlicher Freund glaube ich, dass genau diese Eigenschaften, die sich in der Bawag-Krise gezeigt haben, Zuverlässigkeit, gute Nerven, Menschlichkeit, auch für einen Bundespräsidenten von großer Bedeutung sind", sagt Ewald Nowotny, – an und für sich unabhängiger – Gouverneur der Nationalbank. Am Ende des Clips "Einer von uns. Einer für uns" wundert man sich fast etwas darüber, dass Hundstorfer nicht mit Heiligenschein und Engelsflügerln davonfliegt.

Parteipolitisch deklariert

Gut, mit einem bunten Unterstützungskomitee kann die breite Zustimmung für jemanden signalisiert werden. Meist sind diese Gremien aber recht eintönig. Dass mit Vranitzky ein ehemaliger roter Bundeskanzler den SPÖ-Kandidaten unterstützt, kann vielleicht als Signal an die rote Basis gewertet werden. Nichtwähler wird man damit aber kaum überzeugen.

Auch bei Van der Bellen ist es nicht viel anders. Dass Künstler wie André Heller und Kabarettisten wie Thomas Stipsits politisch auf der liberal-grünen Seiten angesiedelt sind, wird kaum jemanden überraschen. Überraschend ist aber, dass sich Netzaktivist Max Schrems ebenfalls für Van der Bellen hergibt. Nicht, weil man ihn politisch anders eingeschätzt hätte, sondern weil er sich damit parteipolitisch deklariert.

Womit wir beim positiven Aspekt von Personenkomitees angelangt sind: mehr Transparenz. Die Öffentlichkeit erfährt dadurch, wie bekannte Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft wählen werden. Das hilft dann vielleicht doch bei der Wahlentscheidung. (Lisa Kogelnik, 2.3.2016)

  • Der rote Altkanzler Franz Vranitzky (rechts) unterstützt den roten Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer (Mitte). Überraschung!
    foto: apa/neubauer

    Der rote Altkanzler Franz Vranitzky (rechts) unterstützt den roten Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer (Mitte). Überraschung!

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