Metamorphosen

Einserkastl28. Februar 2016, 18:12
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Österreich setzt momentan viel daran, europaweit absolut sagenhaft zu agieren

In Märchen, die das Verborgene und Verdrängte auf die Bühne des Bewussten zum Gastspiel laden, spielt die Verwandlung eine wichtige Rolle. Diese archaisch symbolhafte Verwandlung ermöglicht mal den Wechsel von Identität, wie bei Aschenputtel und der kleinen Meerjungfrau, dann wieder knechtet sie die Märchenprotagonisten, indem sie Ungeheuer aus ihnen macht, gezwungen, durch magische Rituale errettet zu werden – beispielsweise durch Liebe wie beim Froschkönig oder dem Biest, das auf die Schöne wartet.

Unter diesem Aspekt erscheinen einige Aussagen und Handlungen der letzten Zeit zum Thema Fluchtgeschehen in einem gänzlich neuen Licht. Österreich setzt momentan viel daran, europaweit absolut sagenhaft zu agieren. Die aktuellen Regierungsprotagonisten, allen voran Kanzler, Innenministerin und Außenminister, haben dabei auch jede Menge Verwandlungen zu bieten.

Wer nun reißende Bestie und wer noch zu erlösen ist, steht aber noch nicht fest. Simsalabim! Und schon wurde aus einem Teil mit Türen ein dicker, teurer Zaun. Aus dem frischgebackenen Verteidigungsminister Doskozil ein Herculesfan. Leider nur auf Flugzeuge bezogen. Aus dem geeinten Europa ein unkonstruktiv streitender, nationalistischer Haufen. Und aus Griechenland ein Reisebüro. Diese Metamorphosen sind zwar so unglaublich wie jene der Märchenwelt, dennoch versprechen sie triste Realität. (Julya Rabinowich, 28.2.2016)

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