Die Blumen des Bösen

28. Februar 2016, 18:09
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Yuanyuan Wang und das Beijing Dance Theater

St. Pölten – Schon das Eröffnungsbild sieht gefährlich aus. Von der Decke hängt ein dunkler Schlauch, der über einer Pyramide aus giftig grünen Äpfeln mündet. Links und rechts davon sind je vier Körper abgelegt. Und vorn an der Rampe steht, mit dem Rücken zum Publikum, eine Figur in einem schwarzen Kleid, unter dessen glockigem Rock ein rotes Krinolinen-Gerippe glüht.

Am Wochenende zeigte die chinesische Choreografin Yuanyuan Wang mit ihrem Beijing Dance Theater im Festspielhaus St. Pölten, was sich hinter Darstellungen von Liebe und Begehren alles verbergen lässt. Wang ist in ihrer Heimat und den USA ausgebildet und erhält ihre Company ohne Subventionen des chinesischen Staats. 2011 wurde dort die Aufführung ihrer Tanzfassung des um 1600 entstandenen Sittenromans Jin Ping Mei verhindert.

Das rote Gerippe unter schwarzem Stoff kleidet die dämonische Protagonistin des Stücks Le Poison, des ersten Beitrags eines dreiteiligen Abends, mit dem das Beijing Dance Theater erstmals in Österreich gastierte. Die von einem Gedicht aus Charles Baudelaires Die Blumen des Bösen abgeleitete Choreografie erweist sich als hintergründiges Spiel um die dunklen Seiten von Verlockung und Verführung.

In der dritten Arbeit des Abends kommt dieses Motiv wieder: The Nightingale and the Rose nach einem Märchen von Oscar Wilde. Hier scheint das Gerippe aus Le Poison zu einem fetischhaft roten Kleid aufgeblüht. Die Geschichte um die Nachtigall, die ihr Blut und Leben für die Liebe eines erfolglosen Schwärmers opfert, kann ohne weiteres auch als politische Metapher gelesen werden.

Zwischen diesen beiden Werken steht mit Farewell, Shadows ein Abgesang auf die Unterdrückung des Individuums durch Manipulation und Selbstunterwerfung – sehr schön zweideutig als Konflikt zwischen den Geschlechtern präsentiert. Yuanyuan Wang verführt ihr Publikum mit perfekter Ästhetik und fabelhaften Tänzern. Am Ende: großer Applaus. (Helmut Ploebst, 28.2.2016)

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