"Nettigkeiten" des Ministeriums für Studierende

3. März 2016, 09:00
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Ältere Studierende können künftig mehr Geld bekommen – der ÖH ist dieser Schritt zu wenig

Wien – Zumindest ein wenig mehr Geld soll es künftig für Österreichs Studierende geben. Das Wissenschaftsministerium will das Beihilfensystem anpassen. Das passiert auf Anraten der Arbeitsgruppe "Soziale Absicherung Studierender" in der Hochschulkonferenz, die sich die Verbesserung der sozialen Ausgewogenheit des Studienförderungssystems zum Ziel gesetzt hat.

Geplant ist etwa eine Reihe an Verbesserungen für ältere Empfänger von Studienbeihilfen. Beihilfenempfänger über 27, die noch bei den Eltern wohnen und bisher maximal 475 Euro monatlich bekommen haben, sollen künftig die höchstmögliche Studienbeihilfe von 679 Euro monatlich bekommen. Das betrifft rund 350 Personen. Hinzu kommt für alle Beihilfenbezieher über 27 Jahre ein jährlicher Zuschlag von 360 Euro – das sind etwa 30 Euro im Monat. Alle in dieser Altersgruppe werden daher künftig bis zu 8508 Euro im Jahr beziehen können. Von der Maßnahme werden laut Wissenschaftsministerium rund 10.000 Studierende profitieren. "Wir nutzen die vorhandenen Spielräume, um die finanzielle Situation der Studierenden zu verbessern", sagt Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP): "Nach den Erleichterungen für Personen mit Kindern stehen nun die älteren Studierenden im Fokus."

Engagement wird anerkannt

Erstmals soll auch das Freiwillige Soziale Jahr in die vierjährige Selbsterhalterzeit einberechnet werden. "Soziales Engagement unserer Studierenden darf kein Nachteil für ein Selbsterhalterstipendium sein", sagt Mitterlehner zum UniSTANDARD.

Die inhaltlichen Arbeiten zu den neuen Regelungen sind bereits gestartet, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Geplant ist, dass die Regelungen schon Mitte März in Begutachtung gehen und ab kommendem Wintersemester gelten. Kostenpunkt: rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Der Betrag soll durch eine bessere Mittelverwendung und zurück gezahlte Beihilfen finanziert werden.

Zu wenig weit

Der Österreichischen Hochschülerschaft gehen die Vorschläge aber noch nicht weit genug. Es müsse die Bemessungsgrundlage für die Beihilfen – das Einkommen der Eltern – endlich an die Inflation angepasst werden, sagt Magdalena Goldinger , Generalsekretärin der ÖH-Bundesvertretung. Denn dies sei seit 1994 nicht mehr passiert. Dafür würden allerdings die Mittel fehlen. "Natürlich sind es Verbesserungen für Studierende. Das sind Nettigkeiten, die leider nur wenige Studierende treffen", sagt sie zum UniSTANDARD.

Das Beihilfensystem in der jetzigen Form sei nicht mehr zeitgemäß. Es nehme keine Rücksicht auf die neue Situation von Studierenden. Diese würden nun länger studieren, während des Studiums arbeiten. Dies müsse bei einer richtigen Reform alles berücksichtigt werden, sagt Goldinger. (Oona Kroisleitner, 3.3.2016)

  • 2010 wurde die Bezugszeit für die Familienbeihilfe verringert. Die ÖH demonstrierte gegen die Budgetpläne der Familienbeihilfe. Künftig sollen ältere Studierende mehr wieder mehr Geld bekommen. Dies sei nur eine "Nettigkeit", es brauche ein neues Beihilfensystem, kritisiert die ÖH heute.
    foto: matthias cremer

    2010 wurde die Bezugszeit für die Familienbeihilfe verringert. Die ÖH demonstrierte gegen die Budgetpläne der Familienbeihilfe. Künftig sollen ältere Studierende mehr wieder mehr Geld bekommen. Dies sei nur eine "Nettigkeit", es brauche ein neues Beihilfensystem, kritisiert die ÖH heute.

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