Mit Faszination, Flieger und Fonds in die Hofburg

7. März 2016, 16:30
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Der UNISTANDARD hat sich die Bildungspolitik hinter den Menschen im Rennen um die Hofburg angesehen

Wien – Die großen im Nationalrat vertretenen Parteien haben ihre Kandidaturen für die Bundespräsidentschaftswahl bekannt gegeben. Es-Sozialminister Rudolf Hundstorfer geht für die SPÖ ins Rennen, die ÖVP schickt Seniorenbund-Obmann Andreas Kohl und die FPÖ fährt mit dem dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer auf. Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen will als unabhängiger Kandidat zum Bundespräsidenten gewählt werden. Ebenso Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes.

Ob und wieso es die Kandidaten an eine Hochschule verschlagen hat, mit welchen Hürden sie zu kämpfen hatten und mit welchen Arbeiten sie die Uni wieder verlassen haben, hat der UNISTANDARD erfragt.

foto: apa/herbert neubauer
Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hat eine Lehre zum Bürokaufmann gemacht.

Rudolf Hundstorfer: Der Strukturierer

Ein Hochschulstudium hat der Sozialdemokrat Rudolf Hundstorfer nicht gemacht. Aus "einfachen Verhältnissen" stammend, sei es nicht leicht gewesen, eine gute Ausbildung zu erlangen. "Dennoch habe ich den sogenannten sozialen Aufstieg geschafft, darauf bin ich stolz", sagt er. Aus der Ausbildung als Bürokaufmann habe er aber mitgenommen, "strukturiert" zu arbeiten.

Im Bildungsbereich will sich Hundstorfer für eine bessere Grundausbildung einsetzen. Als Arbeits- und Sozialminister hat er die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre auf den Weg gebracht. "Das war mir sehr wichtig", sagt er. Ein Anliegen ist ihm die "Chancengleichheit" für alle: "Jeder und jedem sollte der Zugang zur Hochschule möglich sein."

foto: apa/georg hochmuth
Andreas Khol (ÖVP) ist studierter Jurist.

Andreas Khol: Der Menschenrechtsschützer

Der Mensch stehe im Staat im Mittelpunkt und habe seine Lehren aus den "Gräueln des Nationalsozialismus und Kolonialismus" gezogen – eine Erkenntnis, die Andreas Khol (ÖVP) in seinem Studium gewonnen hat. In seiner Habilitationsschrift befasste sich Khol mit dem internationalen Menschenrechtsschutz. Für das Amt als Bundespräsident habe er aber auch Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch, Wissen in puncto Völkerrecht und Verfassungsrecht aus dem Studium mitgenommen: "Das sind essenzielle Grundlagen für die Aufgaben des Bundespräsidenten", sagt Khol.

Gewinnt er das Rennen um die Hofburg, will er sich für "einen möglichst individualisierten und personalisierten Studienablauf" starkmachen.

foto: regine hendrich
Norbert Hofer (FPÖ) ging statt an die Uni in die Fliegerbranche.

Norbert Hofer: Der Vielflieger

Die HTL für Flugtechnik beendete der Freiheitliche Norbert Hofer mit einer Arbeit über die Konstruktion und die aerodynamische Berechnung eines Motorflugzeugs und der thermodynamischen Berechnung eines vierzylindrigen Kolbentriebwerks. "Ich habe mich schon immer für das Fliegen begeistert", sagt Hofer. Die Ausbildung stelle "ein starkes Fundament für das gesamte Leben" dar.

Wesentlichster Punkt ist für Hofer die "Durchlässigkeit des gesamten Bildungssystems" und die Sicherung von Ausbildungs- und Studienplätzen in Österreich. Es sei "nicht hinzunehmen, dass durch Numerus-clausus-Opfer talentierte Menschen in Österreich keinen Studienplatz zur Verfügung gestellt bekommen".

foto: matthias cremer
Alexander Van der Bellen (Grüne) hat studiert, dissertiert und unterrichtet. Alles in Wirtschaftswissenschaften.

Alexander Van der Bellen: Der Entscheidungsfinder

Seine Diplomarbeit schrieb Alexander Van der Bellen (Grüne) über staatliche Fonds, es folgte die Dissertation und die Habilitation in mathematischer Auswahlfunktionen und gesellschaftlichen Entscheidungen. "Vereinfacht gesagt, geht es dar um, wie eine Gesellschaft zu Entscheidungen kommt", so Van der Bellen. Gelernt hat er daraus nicht nur für den Wahlkampf, sondern auch, dass "das Zusammenwirken von Staat und Wirtschaft sehr komplex und wichtig ist für eine Gesellschaft".

Ab dem dritten Studienjahr musste er sich das Studium selbst finanzieren. Eine Hürde war zudem, dass er für die Habilitation spezifische Gebiete der Mathematik nachholen musste. "Ohne die hätte ich die Fachliteratur nicht lesen können."

foto: apa/epa/christian bruna
Irmgard Griss (unabhängig) hat Jus studiert.

Irmgard Griss: Die Rechtsvergleicherin

Als Juristin musste Irmgard Griss erst keine Abschlussarbeit schreiben. Sie hängte aber einen Master an der Harvard Law School an das Studium der Rechtswissenschaften an und beendete es mit einer Arbeit über internationales Privatrecht. Ihr Fokus lag dabei auf Rechtsvergleichung. "Das hat mich schon immer sehr interessiert, da man dadurch auch das eigene Recht besser versteht", sagt Griss. Dadurch habe sie auch gelernt, ein "Rechtsgebiet neu zu denken". Diese "Offenheit" könne sie auch für das Amt der Bundespräsidentin nutzen.

Sollte Griss in der Bildungspolitik künftig mitmischen, würde sie sich an erster Stelle für Chancengleichheit einsetzen – mit einem "fairen und großzügigen" Stipendiensystem etwa. (Oona Kroisleitner, 7.3.2016)

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