Abschiebung eines Vorzeigestudenten

Porträt3. März 2016, 09:00
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Kameruner verletzte dänisches Arbeitslimit um nur eineinhalb Stunden

Herning – Dänemark führt nicht nur Gleichstellungsrankings und Glücksstatistiken an. In letzter Zeit sticht der Staat auch in der Härte seiner Einwanderungspolitik heraus. "Wir tun das Maximale, damit es nicht attraktiv ist, nach Dänemark zu kommen", verlautete die dänische Integrationsministerin Inger Støjberg Anfang Jänner. Diese Entwicklung bekam Marius Youbi aus Kamerun schon zuvor zu spüren.

Der Elektrotechnikstudent an der Universität Aarhus in Herning finanzierte sich seinen Lebensunterhalt in Dänemark selbst. Genau das wurde dem 30-Jährigen zum Verhängnis. Er überschritt das damals erlaubte Arbeitslimit von 15 Wochenstunden 2013 für drei Monate um eineinhalb Stunden. Mittlerweile sind 20 Stunden erlaubt, dennoch musste Youbi am 7. Jänner dieses Jahres das Land verlassen. Einen Monat später kehrte er zurück – mit einer 17.000 Stimmen starken Petition und einem Arbeitsvertrag bei einer dänischen Firma im Rücken.

Riss in der Gesellschaft

Die Geschichte des Studenten zeigt einen Riss in der dänischen Gesellschaft, der immer weiter aufklafft. Auf der einen Seite steht die rigide Migrationspolitik der rechtsliberalen Regierung. Auf der anderen Seite formiert sich eine Gruppe dänischer Bürger. Studenten und international tätige Firmen halten am Wert der Diversität fest.

Youbis Familie kommt aus der Millionenstadt Douala, 2014 zog er nach Herning. Vom vielgepriesenen dänischen Wohlfahrtsstaat sah er hauptsächlich Rechnungen. Pro Semester kassiert die Universität Aarhus von Nicht-EU-Bürgern umgerechnet 6200 Euro an Studiengebühren. Nur mit Unterstützung konnte er die finanzielle Last stemmen. "Nachdem ich Dänisch gelernt hatte, habe ich viele Freunde gefunden", sagt Youbi. Einer davon war der Pfarrer der Stadt Herning, Erik Nikolajsen. Er mobilisierte seine Kirchengemeinde, die Youbis Studien gebühren übernahm. Dieser enttäuschte sie nicht: Die Universität lobt ihn als Vorzeigestudenten.

"Dänemark muss es nächstes Mal besser machen", sagt Henrik Lykke Christiansen von der Firma KK Solutions. Er ist Youbis neuer Arbeitgeber und verschaffte ihm ein Arbeitsvisum. Neben dem Job kann Youbi nun sein Studium abschließen. (Alicia Prager, Marlis Stubenvoll, 3.3.2016)

  • Marius Youbi wurde von Kirchengemeinde unterstützt.
    foto: privat

    Marius Youbi wurde von Kirchengemeinde unterstützt.

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