Katzenrücken und "Mostbröckli vom Hund": Fake-Restaurant empört auf Facebook

28. Februar 2016, 10:11
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Zahlreiche Nutzer fielen auf "La Table Suisse", eine Kampagne gegen "Karnismus", herein

In der Schweiz ist es legal, Katzen und Hunde zu essen, sofern sie einem selbst gehören. Und eigentlich sind sie ja Bestandteil traditioneller eidgenössischer Küche. Das erklärt Moritz Brunner, der Chef des Lokals "La Table Suisse" in einem Video, das für die Eröffnung des Restaurants wirbt.

Dort serviert man "Guststückerl" von den beliebten Haustieren. Die Spezialitäten im Februar sind "Mostbröckli vom Hund" und Katzenrücken. Um die rechtlichen Hürden zu umgehen, muss lediglich jeder Gast vor der Bestellung des Menüs eine Adoptionsurkunde für den jeweiligen Vierbeiner unterzeichnen.

Fake-Restaurant sorgt für Shitstorm

Auf Facebook dokumentiert man die Entstehung des Lokals. Es gibt Bilder vom Eröffnungsessen und Abhandlungen darüber, warum man den Verzehr von Katzen und Hunden wieder etablieren will. Doch wie einige Besucher der Seite schon früh vermuten: Die Kampagne ist nicht echt.

Bis sich das Projekt selbst enttarnt hat, wurden alleine die Videos tausende Male geteilt und hunderttausende Male angesehen. In den Userkommentaren auf der Facebookseite von "La Table Suisse" findet sich zwar auch gelegentlich Zustimmung, hauptsächlich allerdings haben dort aber Besucher Negatives zu sagen. Die Bandbreite reicht von einfacher Kritik bis zu Gewaltdrohungen. Die Internet-Meteorologie kennt einen Fachbegriff für die wütende, mitunter entgleisende Empörung vieler Nutzer – er lautet "Shitstorm".

foto: vebu

Wider den "Karnismus"

Initiatoren des gefälschten Restaurantauftritts sind der deutsche Vegetarierbund Vebu und die Kampagne "Beyond Carnism". Sie wollen damit über "Karnismus" informieren. Ein Thema, das oft von der Harvard University stammenden Sozialpsychologin Melanie Joy behandelt wird. Sie definiert den Begriff als das Phänomen, das viele Menschen in westlichen Ländern kein Problem mit dem Verzehr von Schwein, Huhn und Rind haben, aber Katzen und Hunden eine scheinbar willkürliche Grenze ziehen.

Beschrieben wird "Karnismus" als "unsichtbares Glaubenssystem" und "dominante Ideologie", deren Grundsätze schon so tief verwurzelt sind, dass sie nicht mehr hinterfragt würden. Diese würde für die sogenannten "Nutztiere" Leid verursachen, obwohl für viele Menschen der Verzehr von Fleisch für ein gesundes Leben gar nicht mehr erforderlich und Pflanzen-basierte Ernährung vorzuziehen sei.

tedx talks

Zwischen Botschaft und Aufregung

Das Awareness-Projekt nimmt sich damit eines bekanntermaßen heiklen Themas an. Gerade im Internet verläuft die Auseinandersetzung zwischen Vegetariern, Veganern und "Omnivoren" oft zugespitzt und hitzig. Provokative Kampagnen gibt es dabei von beiden Seiten. Ein Troll etwa strapazierte lange die Nerven einer veganen Facebook-Gruppe aus Graz. Und dass ein Shitstorm sich durchaus als Werbe-Werkzeug eignet, erkannte im vergangenen Herbst auch der Betreiber des Dubliner Lokals "The White Moose".

"La Table Suisse" bescherte auch Vebu und der Website "Karnismus erkennen" viel Aufmerksamkeit, zumal auch einige Medien zuerst über das unkonventionelle Restaurant und später über das aktivistische Unterfangen berichteten. Ob abseits der Aufregung auch die eigentliche Botschaft erfolgreich angekommen ist, bleibt freilich abzuwarten. (gpi, 28.02.2016)

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