Haushoher Sieg für Hillary Clinton in South Carolina

Video28. Februar 2016, 11:26
501 Postings

Ex-US-Außenministerin zieht gestärkt in den "Super Tuesday" Anfang März

Dass Hillary Clinton in South Carolina gewinnen würde, hatte man erwartet. Dass sie das Duell gegen Bernie Sanders derart eindeutig für sich entschied, ist dann doch eine kleine Überraschung. Und ein Indiz dafür, was nächste Woche am Super Tuesday passieren kann. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam Clinton auf 73,5 Prozent, der Senator aus Vermont auf 26,0 Prozent.

Nach Iowa, New Hampshire und Nevada sollte die Vorwahl in South Carolina erstmals Aufschlüsse darüber geben, wem Afroamerikaner den Vorzug geben. In dem Staat im Südosten der USA bilden schwarze Wähler eine 55-Prozent-Mehrheit in den Reihen der Demokraten. Was historisch gesehen einer gewissen Ironie nicht entbehrt, zählten Schwarze doch einst, allein schon wegen des Sklavenbefreiers Abraham Lincoln, zu den treuesten Anhängern der Republikaner, bevor sie mit den Bürgerrechtsgesetzen der 1960er Jahre zu einer Säule der Demokratischen Partei wurden – aber das nur nebenbei.

abc news
Dankesrede von Hillary Clinton vor ihren Anhängern.

In South Carolina, zeigt die Detailanalyse, hat Clinton mehr als vier Fünftel der afroamerikanischen Stimmen bekommen. Auch unter jungen Schwarzen behielt sie die Oberhand, wenn auch deutlich knapper.

Sanders scheiterte nicht zuletzt daran, dass die meisten Afroamerikaner des Südens ihn, den Senator aus der Neuenglandidylle Vermonts, praktisch kaum kannten. Bei Hillary Clinton, deren Mann Bill von der Schriftstellerin Toni Morrison aufgrund seiner Politik einmal der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten genannt wurde, ist das völlig anders.

Macht an der Basis

Im Duell gegen die Marke Clinton also stand Sanders auf verlorenem Posten, auch wenn sich Künstler wie der Harry Belafonte oder Spike Lee für ihn ins Zeug legten. Für den Super Tuesday bedeutet es, dass schon ein kleines Wunder geschehen muss, will er verhindern, dass seine Kontrahentin noch weiter davonzieht.

In sechs der elf Bundesstaaten, in denen die Demokraten am Dienstag ihren Kandidaten bestimmen, bilden schwarze Amerikaner eine Macht an der Basis. In Alabama, Arkansas, Georgia und Tennessee, vielleicht auch in Virginia und Texas, dürfte dies klare Vorteile für Clinton bedeuten. Legt man das Resultat in South Carolina zugrunde, ist absehbar, dass ihr Siegeszug in den Südstaaten anhalten wird. Sanders seinerseits hofft auf Massachusetts, Minnesota und Colorado – und natürlich Vermont, seinen Heimatstaat. Und auf lange Sicht auf den Westen mit seiner Vorliebe für Außenseiter, die kräftig gegen den Strich bürsten. Vor allem setzt er auf das BevölkerungsschwergewichtKalifornien, das zwar erst im Juni an der Reihe ist, aber das Rennen entscheiden kann, sollte sich bis dahin einer der beiden Bewerber nicht uneinholbar abgesetzt haben.

Begeisterung

Dass der 74-Jährige, der nicht nur im linken Amerika, sondern auch unter Unabhängigen eine Welle idealistischer Begeisterung ins Rollen brachte, vorzeitig das Handtuch wirf, ist eher unwahrscheinlich. Kampagnen sind in aller Regel am Ende, wenn ihnen das Geld ausgeht. Bei Sanders ist das nicht zu erwarten: Seinen Wahlkampf finanziert er aus Kleinspenden hochmotivierter Anhänger, die ihm bis zum Schluss die Treue halten dürften. (Frank Herrmann, 28.2.2016)

Die Bewerber für die US-Präsidentenwahl

Republikaner

  • Ben Carson (64), ehemaliger Neuro-Chirurg. Wirbt mit seinem Status als Quereinsteiger und politischer Neuling. Einziger schwarzer Kandidat bei beiden Parteien.
  • Ted Cruz (45), Senator aus Texas. Der Harvard-Absolvent ist ein Liebling der Erzkonservativen und wendet sich ausdrücklich an christliche Wähler. Er kam als Sohn eines kubanischen Einwanderers und einer US-Bürgerin in Kanada zur Welt.
  • John Kasich (63), ehemaliger Investmentbanker bei Lehman Brothers und Gouverneur von Ohio. Verfügt über langjährige Erfahrung in der Politik und wird wie Bush als Kandidat der politischen Elite gehandelt.
  • Marco Rubio (44), Senator aus Florida. Wurde mit dem Aufkommen der Tea-Party-Bewegung gewählt, machte sich aber mit seiner Unterstützung einer gescheiterten Einwanderungsreform bei den Konservativen unbeliebt. Gilt inzwischen als Kandidat des republikanischen Establishments.
  • Donald Trump (69), milliardenschwerer Immobilien-Magnat. Durch seine TV-Auftritte landesweit bekannt und durch sein Vermögen von Spenden unabhängig. Führt seit Wochen in zahlreichen Umfragen.

Demokraten

  • Hillary Clinton (68), ehemalige Außenministerin und Senatorin aus New York. Vertraut mit dem Weißen Haus aus ihrer Zeit als First Lady neben Präsident Bill Clinton. Gilt nach ihrem Sieg in South Carolina wieder als Favoritin.
  • Bernie Sanders (74), parteiloser Senator aus Vermont, der sich selbst als demokratischer Sozialist beschreibt. Kämpft gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum.
  • Hillary Clinton konnte eine große Mehrheit der afroamerikanischen Wähler in South Carolina für sich gewinnen.
    foto: afp / nicholas kamm

    Hillary Clinton konnte eine große Mehrheit der afroamerikanischen Wähler in South Carolina für sich gewinnen.

Share if you care.