Wider die chinesische Übermacht

27. Februar 2016, 07:10
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2015 war ein Traumjahr für Stefan Fegerl. 2016 spielt der zweifache Europameister für das "Real Madrid des Tischtennis " und nun bei der Team-WM in Malaysia. Fegerl hofft auf eine Medaille für Österreich. Einzig an China wird kein Weg vobeiführen

Kuala Lumpur / Wien – Ein Wunschkonzert sieht anders aus, Honiglecken auch. Österreichs Tischtennis-Herren treffen bei der am Sonntag in Kuala Lumpur anhebenden Mannschaftsweltmeisterschaft auf China, Taiwan, Nordkorea, Griechenland und Tschechien. Nur drei Teams steigen auf. "Die Auslosung hat uns kein Glück gebracht", sagt Stefan Fegerl. Mit weniger Zurückhaltung könnte man von "Horrorlos" sprechen. Der Teamspieler aber wahrt die Fassung, er hält unvermindert an den Zielen seiner Mannschaft fest: "Wir wollen eine Medaille."

Es ist kein Realitätsverlust, der den 27-jährigen Niederösterreicher plagt, aus ihm spricht das Selbstvertrauen des zweifachen Europameisters. Im Oktober errang Fegerl im russischen Jekaterinburg Gold im Doppel und mit der Mannschaft. Und nun soll im 13.000 Zuseher fassenden Malawati-Stadion die nächste Großtat folgen. Zwischen Österreich und der Medaille stehen dabei vor allem die Teams aus Asien: "Alle haben gefährliche Spieler in ihren Reihen, unabhängig von deren Position in der Weltrangliste."

foto: apa/epa/ilnitsky
Tischtennis-Geschichte: Stefan Fegerl machte sich 2015 mit dem österreichische Team zum Europameister.

Fegerl ist 23., knapp vor seinem Teamkollegen Robert Gardos. "Wir spielen auf demselben Niveau", sagt Fegerl, "ob ich vor oder hinter ihm stehe, ist nebensächlich. Wir orientieren uns international." Chen Weixing, Dominik Habesohn und Werner Schlager komplettieren das österreichische Quintett. Der 43-jährige Schlager wurde nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Daniel Habesohn nachnominiert. Die Einberufung des Einzelweltmeisters von 2003 kam für Fegerl trotz dessen längerer Schaffenspause nicht überraschend: "Er ist die logische Wahl, da gibt es keine Diskussion."

Das vergangene Jahr verlief für Fegerl wie im Traum: "Was da passiert ist, hätte ich nicht für möglich gehalten." Nun gelte es, die Leistungen zu bestätigen. Auch bei den Olympischen Spielen. "Aber ich will mich nicht unter Druck setzen. Als Tischtennisspieler bin ich noch nicht im besten Alter." Routine sei ein entscheidender Erfolgsfaktor: "Es dauert Jahre, bis man genau weiß, worauf es ankommt." Und nun, da Fegerl sein reichhaltiges Repertoire auch im Wettbewerb umsetzen kann, unterschrieb er bis 2018 einen Vertrag bei Borussia Düsseldorf. "Das kann man mit Real Madrid im Fußball vergleichen. Sie spielen immer um den Titel in der Champions League. Dass ich ihr Wunschspieler war, ist eine Ehre."

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Als Weltranglisten-23. ist Stefan Fegerl Österreichs bester Tischtennisspieler. Als 27-Jähriger ist er quasi noch ein Jungspund. "Ich bin noch nicht im besten Alter." Reich wird er von dem Sport jedenfalls eher nicht werden.

Düsseldorf hin oder her, reich wird man als europäischer Tischtennisspieler nicht. Auch bei großen Turnieren ist das Preisgeld mager. "Die Chinesen zerbomben alles, man wird maximal Dritter oder erreicht das Viertelfinale. Dort gibt es wenig zu holen. Ich komme über die Runden, die Verdienstmöglichkeiten sind aber traurig." Dass Tischtennis im Fernsehen wenig Beachtung findet, kann Fegerl nachvollziehen: "Die Spiele sind nicht immer schön anzusehen. Es gibt wenig spektakuläre Ballwechsel." Für den Großteil der Spieler geht es um Kostendeckung, der Ansporn zur Profikarriere hält sich in Grenzen. "Man muss auf eigene Faust arbeiten, riskieren, nicht zu viel überlegen."

Existenzängste plagen den Vater eines zweijährigen Sohnes – Fegerl ist mit der österreichischen Tischtennisspielerin Li Qiangbing liiert – keine: "Ich denke nicht an die Pension, nur an die unmittelbare Zukunft." Und die sieht ihn zwischen Wien und Düsseldorf pendeln. "Mein Lebensmittelpunkt bleibt hier, ich trainiere in Schwechat." Die Insolvenz der Werner-Schlager-Academy habe auf den Trainingsalltag keine Auswirkung: "Als Sportler spüren wir davon nichts." Die chinesische Übermacht lässt sich auch mit viel Eifer kaum brechen. "Jeder Spieler hat dort einen eigenen Trainer, zwei Sparringspartner und einen ganzen Stab, der nur für ihn arbeitet. Und das beste Material haben sie obendrein."

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Eine Kostprobe: Stefan Fegerl schlägt den Weltrangkisten-Vierten Zhang Jie bei den Polish Open 2015.

Li Qiangbing tritt mit den Damen ebenfalls in Kuala Lumpur an, sie ist Fegerl eine wertvolle Trainingspartnerin. "Ich habe ein großes Glück mit ihr." So wie einst mit seinem Vater, der "keinen Urlaubstag für sich selber genommen hat". Auf alle Turniere sei er mit dem talentierten Spross gefahren. "Und jetzt sieht jeder, dass es die richtige Entscheidung war." (Philip Bauer, 27.2.2016)

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