Gianni Infantino: Kugerlöffner, Sprachgenie

Kopf des Tages26. Februar 2016, 18:14
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Der Schweizer wurde ein wenig überraschend neuer Präsident der Fifa

Mit Gianni Infantino wollte eigentlich niemand sprechen. Was dem 45-Jährigen aber ziemlich wurscht war. Als im Herbst 2015 Uefa-Chef Michel Platini in den Korruptionsstrudel geriet und gesperrt wurde, nutzte der Generalsekretär der europäischen Fußballunion gezwungenermaßen die Bühne. Nach jeder Sitzung stellte sich Infantino den Medien. Die hatten freilich nach noch so belanglosen Wortspenden des gefallenen Franzosen gelechzt. Vergeblich, sie mussten mit Rechtsanwalt Infantino vorlieb nehmen. Und der, seit 2009 im Amt und somit Platinis rechte Hand, schlug sich wacker.

Der breiteren Öffentlichkeit war der Schweizer, der auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, lediglich von diversen Auslosungen bekannt. Ein begnadeter Kugerlmischer und Kugerlöffner (Champions League!), der sich spaßeshalber darüber beschwert hat, dass der Weltverband Fifa bei solchen Zeremonien weit besser aufgestellt sei. "Dort sind Heidi Klum oder Gisele Bündchen die Assistentinnen, mir hilft ein spröder Funktionär."

Plan B

Europa wollte ursprünglich Platini als Nachfolger von Joseph Blatter inthronisieren. Pech, ging nicht, blieb Infantino als Kompromiss, als Plan B. Und der, nicht frei von Disziplin, Ehrgeiz und Machtstreben, witterte seine Chance, beründete die Kandidatur so: "Es ist wahr, dass ich vor ein paar Monaten nicht darüber nachgedacht habe. Aber manchmal im Leben gibt es Situationen, in denen man Entscheidungen treffen muss. Als ich gesehen habe, was bei der Fifa passiert, war mir klar, dass ich nicht zusehen kann, wie alles zerstört wird oder sich selbst zerstört."

Der Vater von vier Kindern begann einen intensiven Wahlkampf, die Uefa stellte ihm ein Budget von 500.000 Euro zur Verfügung. Im Privatjet flog er um die Welt, ein einziger Jetlag. Kommunikationstechnisch ist der Fan von Inter Mailand auf die Sonnenseite gefallen, er spricht Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Arabisch. Infantino verteilte populistische Zuckerln, versprach die Aufstockung der WM von 32 auf 40 Teams. Die Mitbewerber konnten ihm weder Bestechlichkeit noch andere strafrechtlich relevante Delikte nachweisen. Er geriet auch nie in den Verdacht, Menschenrechte verletzt zu haben.

Geboren wurde Infantino in Brig. Das ist zehn Kilometer von Visp entfernt, wo Blatter aufwuchs und lebt. Der Weltfußball bleibt im Wallis. Warum, weiß er nicht. (Christian Hackl, 26.2.2016)

  • Gianni Infantino spricht er spricht Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Arabisch.
    foto: apa/afp/fabrice coffrini

    Gianni Infantino spricht er spricht Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Arabisch.

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