Neuer Bank-Austria-Chef: "Das setzt schon viel Adrenalin frei"

26. Februar 2016, 17:05
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Robert Zadrazil will den Pensionsdeal notfalls auf dem Rechtsweg durchsetzen. Den Umgang mit der Heta bezeichnet er als Kollateralschaden

STANDARD: Sie sind schon seit 2001 in der Bank Austria und übernehmen mit 1. März deren Leitung. Die Bank steht mitten in einer Restrukturierungsphase. Wie geht man an eine solche Aufgabe heran?

Zadrazil: Ich war in verschiedenen Positionen, seit 2006 im Vorstand. Es ist schon ein Unterschied, ob Sie im Vorstand sind oder ganz an der Front stehen. Natürlich ist die Erfahrung der letzten Jahre ein großer Vorteil. Trotz aller Schwierigkeiten und des Umbruchs der Branche haben wir die einmalige Chance, das klassische Angebot einer traditionellen Bank in das einer modernen Bank des 21. Jahrhunderts zu übertragen. Das setzt schon viel Adrenalin frei, erfordert aber auch Demut. Final überwiegt der Optimismus, das zu schaffen.

STANDARD: Die Umstrukturierung hat bei Mitarbeitern und Kunden Irritationen ausgelöst. Wie wollen Sie die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen?

Zadrazil: Auch wenn ich vor Optimismus sprühe: Die Gefahr ist groß, dass man diesen Aspekt – die schwierige Phase für die Mitarbeiter und Kunden – vergisst. Umso wichtiger war, dass im Dezember die Grundsatzentscheidung gefallen ist. Seither gibt es keinen Plan A, B, C, D, E, F, G oder was auch immer. Es gibt einen Plan: Wir richten die Bank neu aus, das wird viele Veränderungen mit sich bringen.

foto: mattias cremer

STANDARD: Und was sagen Sie einem Kunden, der aus Filialschließungen schließt, man wolle ihn gar nicht mehr?

Zadrazil: Es ist ja nicht so, dass wir diese Kunden nicht mehr haben wollen. Gerade bei Basisdienstleistungen gibt es einen großen Trend zu digital. Eine weitere Anforderung ist die qualifizierte Beratung. Aber in den Kleinstfilialen können wird diese Qualität nicht bieten und auch keine verlängerten Öffnungszeiten, während in den größeren Filialen unsere Berater von neun bis 18 Uhr und in der Onlinefiliale mit Videoberatung sogar bis 20 Uhr zur Verfügung stehen.

STANDARD: Treiber der Filialschließungen sind Kosteneinsparungen. Gleichzeitig schreibt die Bank 1,3 Milliarden Gewinn.

Zadrazil: Von den 1,3 Milliarden kommen 500 Millionen Euro aus Österreich. 100 Prozent davon entfallen auf die drei Geschäftsbereiche Firmenkunden, Investmentbanking und Private Banking. Nur in einem Geschäftsfeld, das nicht profitabel ist, entspricht die Profitabilität nicht unseren Anforderungen. Da müssen wir effizienter werden.

STANDARD: Bleibt es bei der Schließung von 70 Filialen?

Zadrazil: Das ist unsere aktuelle Planannahme über die nächsten drei Jahre. Zugleich bauen wir unsere Onlinefiliale, in der derzeit bereits 250 Berater arbeiten – das entspricht rund 50 Kleinfilialen – aus.

STANDARD: Stehen Sie zur Aussage Ihres Vorgängers, ohne Kündigungen auskommen zu wollen?

Zadrazil: Diese Ansage gilt. Der Umbau soll möglichst sozial verträglich vonstattengehen. Ich halte nichts davon, alles umzudrehen, wenn man neu kommt.

STANDARD: Die geplante Übertragung von gut 3000 Mitarbeitern in das ASVG stößt auf Widerstand. Wie gehen Sie da vor?

Zadrazil: Unsere Sicht ist, dass es eine ganz klare Gesetzeslage gibt, die nicht nur durch mehrere Gutachten, sondern auch durch die gelebte Verwaltungspraxis in den letzten Jahrzehnten gestützt wird. Wir werden daran festhalten.

STANDARD: Es gibt Berechnungen, wonach die Maßnahme einen Nachteil für die Öffentlichkeit von zwei bis drei Milliarden verursacht.

Zadrazil: Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es ist nie und nimmer unser Ziel, Maßnahmen auf Kosten der Steuerzahler zu setzen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir zahlen die sieben Prozent Pensionsbeitrag pro Monat auf Basis des jetzigen Einkommens und der aktuellen Höchstbeitragsgrenze. Nehmen wir an, jemand hat 25 Jahre in der Bank Austria gearbeitet, mit 1000 Euro begonnen und verdient jetzt 4860 Euro. Dann zahlen wir die sieben Prozent vom jetzigen Einkommen für die gesamte Vordienstzeit, während die übliche Beitragshöhe von 22,8 Prozent vom Verdienst im jeweiligen Jahr gedeckelt mit der damaligen Höchstbeitragsgrundlage angefallen wäre.

STANDARD: Nur beim jetzigen Widerstand zeichnet sich ab, dass der Pensionsdeal so nicht durchgehen wird. Was dann?

Zadrazil: Dann wird es einen Ort geben, an dem man das ausdiskutiert. Dann wird man Recht bekommen oder nicht.

STANDARD: Das heißt konkret, Sie würden rechtliche Schritte gegen ein Untersagen setzen?

Zadrazil: Das werden wir tun.

STANDARD: Wie stark trifft die Bank der Transfer des Osteuropageschäfts zur Mutter Unicredit?

Zadrazil: Wir planen, den rechtlichen Sitz zu verlegen. Aber zugleich ist es unsere klare Zielsetzung, dass die Betreuung der österreichischen Firmenkunden bei ihren Osteuropageschäften ebenso wie das Know-how dafür in Wien erhalten bleiben soll.

STANDARD: Wie viel an Bankenabgabe spart der Transfer ein?

Zadrazil: Es geht um einen ordentlichen zweistelligen Millionenbetrag, bei dem kein Einser und kein Zweier davorsteht.

STANDARD: Im Vorjahr gab es Signale, dass Finanzminister Schelling Abstriche bei der Bankenabgabe machen könnte? Tut sich da etwas?

Zadrazil: Die positiven Signale haben sich nicht gerade verstärkt. Das werden wir wieder verstärkt auf unsere Agenda nehmen müssen. Unsere Position hat sich nicht verändert. Die Bank Austria hat 2015 134 Millionen Euro Bankensteuer und weitere 47 Millionen für Einlagen- und Abwicklungsfonds in Österreich gezahlt. Im internationalen Vergleich, etwa mit deutschen Instituten, die nur ein Zehntel davon zahlen, ist das ein gigantischer Wettbewerbsnachteil.

STANDARD: Wie sehen Sie den Umgang mit der Heta und den Landeshaftungen? Gefährdet Österreich da seinen internationalen Ruf?

Zadrazil: Österreich muss aufpassen, dass man es nicht in einer Reihe mit anderen Ländern, die Regelungen im Nachhinein ändern, nennt.

STANDARD: Analysten warnen, dass Anleihen von österreichischen Bundesländern und Banken kaum mehr verkäuflich seien.

Zadrazil: Das wird schon so sein. Wenn ein Investor das Vertrauen verliert, ist das ein Riesenproblem. Ich weiß nicht, ob man die Kollateralschäden für Länder und Banken richtig eingeschätzt hat. (Andreas Schnauder, 26.2.2016)

Robert Zadrazil (45) leitet ab 1. März die Bank Austria. Bis dato fungiert der Absolvent einer Technikschule und WU-Studienabbrecher als Vorstand für Private Banking, davor war er schon Chef der Schoellerbank. Zadrazil, verheirateter Vater zweier Kinder, ist Austria-Fan und würde gerne öfters Golfspielen.

  • Noch residiert er in den Prunkräumen der einstigen Creditanstalt-Zentrale. Bald wird er in den neuen Campus beim Nordbahnhof übersiedeln.
    foto: standard/cremer

    Noch residiert er in den Prunkräumen der einstigen Creditanstalt-Zentrale. Bald wird er in den neuen Campus beim Nordbahnhof übersiedeln.

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