Bereits der Urahn der heutigen Egel war ein Blutsauger

28. Februar 2016, 20:01
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Forscher fanden heraus, inwiefern Blutegel mit und ohne Kiefer miteinander verwandt sind

Sie sind die etwas anderen Vampire: Blutegel sägen ihre Opfer mit kleinen scharfen Zähnen in drei Kiefern an, statt nur die Eckzähne in ihr Fleisch zu bohren. Besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie als medizinische Helferlein beliebt – der Import der Tiere soll damals in Frankreich von 33 auf 100 Millionen Blutegel pro Jahr angestiegen sein. Die im Inland gefundenen Egel reichten nicht mehr aus und mussten aus Syrien, der Türkei und Russland eingeführt oder gezüchtet werden. Damit waren sie die wichtigste medizinische Handelsware.

Das Besondere am Blutegel ist dabei sein Speichel. Er enthält Proteine, die verhindern, dass das Blut gerinnt. Dies ist natürlich für seine Ernährung wichtig, sorgt aber auch dafür, dass die Tiere noch heute bei Patienten angelegt werden, etwa zur Verbesserung der Wundheilung.

Auch die Verwandtschaft des Medizinischen Blutegels hat Stoffe im Speichel, die die Blutgerinnung verhindern. Weil sie sich aber nicht auf dieselbe Weise von Blut ernähren – manche Arten haben etwa Kiefer, andere nicht –, gingen Wissenschafter bisher davon aus, dass sich diese beiden Egeltypen unabhängig voneinander zu Blutsaugern entwickelten.

Blutgerinnungshemmer löst Rätsel

Eine jüngst im "Journal of Parasitology" veröffentlichte Studie kommt jedoch zu einem anderen Schluss. Das Forschungsteam um Mark Siddall vom American Museum of Natural History in New York untersuchte dazu drei Arten der Gattung Placobdella. Diese Art saugt Blut, indem sie ein ausfahrbares, röhrenartiges Organ benutzt. Mithilfe einer relativ neuen Technologie analysierten die Forscher die Transkriptome der Blutegel, also alle Messenger-RNA-Moleküle, die von den Organismen unter bestimmten Umständen produziert werden, und verglichen sie miteinander. Dadurch konnten sie Gene identifizieren, die gleich oder unterschiedlich wirken.

Dabei fanden sie bei den kieferlosen Egeln einen einzigen Stoff, der die Blutgerinnung hemmt: Hirudin, das nach dem Medizinischen Blutegel – Hirudo medicinalis – benannt ist. Dies ist für die Parasitologen ein Hinweis darauf, dass die Egel auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Ob dieser nun einen oder mehrere Kiefer hatte, bleibt allerdings im Dunkeln. (sic, 28.2.2016)

  • Der uns bekannte Medizinische Blutegel besitzt drei Kiefer, mit denen er an Wirbeltieren knabbert.
    foto: reuters / antonio bronic

    Der uns bekannte Medizinische Blutegel besitzt drei Kiefer, mit denen er an Wirbeltieren knabbert.

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