Jahresbericht: Bundestheater derzeit konsolidiert

26. Februar 2016, 16:15
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Ohne Realisierung hoher Beträge durch Veräußerung von "nicht betriebsnotwendigem Vermögen" wäre es nicht möglich gewesen, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, so Geschäftsführer Rhomberg

Dank Immobilienverkäufen im Umfang von voraussichtlich 40 Mio. Euro und einer Anhebung der Basisabgeltung um 14 Mio. Euro präsentieren sich die Bundestheater derzeit konsolidiert. Bis 2018/19 werde man – so die Karteneinnahmen nicht einbrächen – ausgeglichen wirtschaften können, sagte Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Günter Rhomberg bei der heutigen Vorstellung des Jahresberichts für 2014/15.

Die wenigen im Bericht enthaltenen Tabellen zeigen, dass der Gesamtertrag des Konzerns im Wirtschaftsjahr 2014/15 (Stichtag 31.8.2015) um 9,6 Mio. Euro auf 236,6 Mio. Euro gestiegen ist. Dies sei im Wesentlichen auf die Veräußerung der Immobilien zurückzuführen, mit denen das Finanzloch bis zu der erst mit 1. Jänner 2016 schlagend gewordenen Anhebung der Basisabgeltung auf 162,9 Mio. Euro gestopft wurde, hieß es. Das Jahres-Minus (6,5 Mio. 2013/14) konnte in einen Jahresüberschuss von 5,4 Mio. Euro gedreht werden.

"Es gab keine Alternative"

Ohne Realisierung hoher Beträge durch vom Eigentümer genehmigte Veräußerung von "nicht betriebsnotwendigem Vermögen" wäre es nicht möglich gewesen, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. "Es gab dazu keine Alternative." Wenn der einzige noch ausständige (das im Innenhof des Hanuschhofes befindliche "Stöckl"-Gebäude betreffende) "Deal" über die Bühne gegangen sein wird, "werden der Holding bis Ende des Wirtschaftsjahres 40 Millionen Euro zugeflossen sein". Man hätte zwar noch "Tafelsilber" zum Veräußern in Reserve , "hoffentlich müssen wir das nicht".

Unabhängig davon ist man in der Bilanz nach den 28,4 Mio. Euro Bilanzverlust des Vorjahres mit einem Plus von 70.000 Euro "auf einem Null-Ergebnis gelandet" (Rhomberg). Mit einer "Kapitalkonsolidierung" durch Rückgriff auf eine in der Konzernbilanz vorhandene Gewinnrücklage (das Anlagevermögen war bei Ausgliederung höher als das Stammkapital, Anm.) von 40 Mio. Euro habe man die verbesserte Finanzlage auch in der Bilanz darstellen wollen. Dies sei "kein Zaubertrick, sondern etwas, was jede GmbH macht", und was man auch bereits früher machen hätte können, sagte Holding-Prokurist Othmar Stoss.

Mitarbeiter-Kosten machen Rhomberg Sorgen

Die Anzahl der Besucher der Bundestheater ist laut Jahresbericht von 1.339.314 auf 1.318.067 gesunken, die Karteneinnahmen sind allerdings von 49,9 Mio. Euro auf 51,6 Mio. Euro gestiegen. Die Anzahl der Vorstellungen ist ebenso gesunken wie die Anzahl der Mitarbeiter. Deren Kosten machen Rhomberg jedoch weiterhin Sorgen. Es habe zwar durch die Novelle des Bundestheater-Gesetzes samt Aufstockung der Basisabgeltung "eine große Vorleistung seitens der Öffentlichkeit sprich der Regierung gegeben", doch "mein einziger Misserfolg war, dass man die Personalkosten nicht einmal zu einem gewissen Prozentsatz indexiert", also an die Teuerungsrate gekoppelt, hat.

Spätestens 2019/20 brauche man aufgrund der kollektivvertraglichen Erhöhungen zusätzlich rund 3,5 Mio. Euro jährlich – ansonsten werde man mit Sicherheit mit Schließtagen und Angebotsreduktionen rechnen müssen. "Denn es wird sich nicht ausgehen, und zwar in keinem Kulturunternehmen, das 60 bis 70 Prozent Personalkosten hat", sagte Rhomberg. "Die Herausforderung bleibt. Ich plädiere für produktive Unruhe ab sofort."

Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit

Am Burgtheater seien rund 4 Mio. Euro eingespart worden, bei der unter anderem für Ausstattungsbau zuständigen "Art for Art"-Tochter seien rund zehn Prozent der Belegschaft abgebaut worden, da das Produktionsvolumen stark zurückgenommen wurde. "Das Schlimmste war aber der Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit. Ich glaube, dass mit dem heutigen Bericht vieles abgeschlossen werden kann", so Rhomberg.

Harsche Kritik setzte es indirekt an Rhombergs Vorgänger Georg Springer: "Die Holding ist in der Vergangenheit als Gruppe nicht stark geführt worden. Sie hat nicht gelebt, weder intern noch extern." Man habe "zu viele Aufsichtsräte" gehabt, "viele die teilweise verantwortlich waren, aber niemanden, der ganz in der Verantwortung war".

Gerichtsverfahren weiterhin ruhend

Als Erfolg wertete Rhomberg die Erhaltung des Kasinos am Schwarzenbergplatz, wohin die Staatsoper in Zukunft die Kinderoper (derzeit in der Walfischgasse) übersiedeln möchte. Die Arbeitsgerichtsverfahren des entlassenen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann und der früheren kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky seien weiterhin ruhend, in Kürze werde ein Vorbericht des Rechnungshofs erscheinen, der Stantejskys Position wohl nicht stärken werde, mutmaßte Rhomberg.

Der Staatsoper bescheinigte er "nach wie vor eine unglaublich gute Auslastung". Laut heute veröffentlichtem Geschäftsbericht der Saison 2014/2015 betrugen die Umsatzerlöse aus dem Kartenvertrieb die Rekordsumme von 34,27 Mio. Euro. Das Haus hatte 598.951 Besucher (2013/14: 603.692) und eine Sitzplatzauslastung von 99,02 Prozent. Der Eigendeckungsgrad beläuft sich auf 44,6 Prozent. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist einen Jahresfehlbetrag von 0,58 Mio. Euro und nach Zurechnung des Gewinnvortrages einen Bilanzgewinn von knapp 2.000 Euro aus.

Volksoper gelobt

Bei der Volksoper lobte Rhomberg die "Kontinuität des Erfolges". In ihrem Geschäftsbericht wird eine Besucherzahl von 315.189 (2013/14: 311.781) und eine Sitzplatzauslastung von 81,69 Prozent ausgewiesen. Die Kartenerlöse betrugen 8,78 Mio. Euro. Die Volksoper schrieb einen Jahresgewinn von 109.634 Euro und einen Bilanzgewinn von 142.414 Euro. Die auch mit der Immobilienverwertung der Bundestheater betraute Art for Art Theaterservice GmbH schließlich verzeichnete einen Jahresgewinn von 9,4 Mio. Euro, zu dem auch 2,7 Mio. Euro Erlöse mit Kunden außerhalb des Bundestheater-Konzerns beitrugen. (APA, red, 26.2.2016)

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