"Father.io": Innovatives AR-Game mischt "Ingress" und Egoshooter

1. März 2016, 12:02
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GPS-basierte Eroberung wird Live-Duellen kombiniert – Finanzierung per Crowdfunding

Mit "Ingress" haben GPS-basierte Augmented-Reality-Games am Smartphone einst den Schritt aus den Kinderschuhen gemacht. Der Dauerkonflikt zwischen den Enlightened und der Resistance genießt nach wie vor einigen Zulauf und im April wird Wien zum zweiten Mal Austragungsort eines Hauptevents, wenn die "Obsidian"-Eventserie gastiert.

Doch auch abseits des Genreprimus tut sich etwas. Während mit "Enklave" ein weiteres Spiel dieser Art vor einem Jahr beim Crowdfunding klar scheiterte, schlägt sich ein neues Game höchst erfolgreich auf Indiegogo. "Father.io" verspricht den Kampf um Territorien im Stile eines Egoshooters.

Die Entwickler, die schon seit einiger Zeit eine Teaser-Website in Betrieb genommen hatte, bezeichnen das Spiel als den "ersten Real-life, Massive-Multiplayer-First-Person-Shooter". Dieser teilt sich in zwei Spielmodi auf.

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GPS-Eroberung und Egoshooter

Im Taktik-Modus können Spieler Areale in der Größe von je 50 Quadratmetern erobern. Dort lassen sich Ressourcen erwirtschaften oder stehlen, Ingame-Gegenstände kaufen, virtuelle Forschung betreiben oder Gebäude errichten. Ausschlaggebend dafür ist auch, welche Gebäude sich darin befinden. Echte Universitäten sollen etwa die Forschung erleichtern, Spitäler die Regeneration der virtuellen Alter Egos beschleunigen, Banken die sichere Lagerung von Ressourcen erlauben.

Die Auseinandersetzung im Handlungskontext soll sich schließlich in wöchentlich organisierten Kämpfen abspielen. Über eine Web-App können Spieler im "Commander"-Modus partizipieren und ihren Kollegen Anweisungen und Hinweise zukommen lassen.

Inceptor

Mithilfe eines "Inceptors", einem an das eigene Smartphone zu befestigende Accessoir, kann man sich aber auch direkt als Soldat einer zuvor gewählten Klasse in die Schlacht stürzen. In Kombination mit einer eigenen App wird das Telefon zum Visier des eigenen virtuellen Charakters. Wie in einem Egoshooter sollen die Gefechte schließlich ablaufen. Ein Video der Entwickler verspricht dabei vieles – etwa auch die Möglichkeit, mit Drohnen ins Geschehen einzugreifen.

foto: father.io

Regelmäßige Kämpfe

Das Gamedesign sieht vor, dass der weltweite Kampf zwischen Menschen und "Evolved" alle drei Monate einen Story-Höhepunkt erreicht. Eine Rolle spielen dabei auch Missionen für die zwei Fraktionen, die aus mehreren, geskripteten Nebenaufgaben bestehen und Einfluss auf das "Endspiel" nehmen sollen.

Abseits der Haupthandlung sollen Spieler aber über den "Quick Match Mode" auch selber schnell kleine Schlachten organisieren können. Die App soll es ermöglichen, andere "Father.io"-Teilnehmer, die über einen Inceptor verfügen und in der Nähe sind, herauszufordern. Angedacht, sofern entsprechende Finanzierungsziele erreicht werden, sind zusätzliche Kampfvarianten wie etwa "Capture The Flag".

Der Inceptor selbst ist ein Gerät, dass es ermöglicht, Gegner auf bis zu 50 Meter Abstand zu treffen. Gleichzeitig erzeugt er auch die "Hitbox", um gegnerische Schüsse zu registrieren. Seine Ausstattung mit sechs Infrarot-Receivern soll dabei Treffer aus allen Richtungen erfassen können. Mit 100 Millisekunden soll die Verzögerung dabei sehr gering ausfallen und mit Online-Shootern bei guter Verbindung gleichzusetzen sein. Mit dem Smartphone verbunden wird er via Bluetooth LE.

foto: father.io

Terminator-Szenario

Die Story von "Father.io" spielt in einem alternativen Zukunftsszenario, kurz nach dem Eintreten der Singularität (der Zeitpunkt, an dem Maschinen mit dem menschlichen Verstand konkurrieren können). Die Menschheit hat ein globales Computersystem namens "Ethereus" erschaffen, um sich selbst durch künstlich beschleunigte Evolution zu verbessern.

Das Konzept geht auch zuerst auf. Ethereus optimiert den Ressourcenverbrauch, erschafft lebenswerte, smarte Städte und bald herrscht ein paradiesischer Zustand frei von ethnischen, religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Konflikten. Die Menschen selber statten sich durch bionische Erweiterungen mit immer besseren Fertigkeite naus und vernetzen sich immer tiefer mit Ethereus.

Doch schließlich wird das Netzwerk von einem Virus unbekannter Herkunft, Father.io, kompromittiert. Er startet einen Aufstand der Maschinen, die bis dahin den Menschen gedient hatten und erschaffen eine kybernetische Lebensform – die Evolved, die die Menschen ausrotten will.

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Erfolgreiches Crowdfunding

Das Crowdfunding für das Game ist erfolgreich angelaufen. Wenige Tage nach Start der Kampagne hat man das ursprüngliche Ziel von 50.000 Dollar mehr als verdoppelt. Interessenten können sich ab 30 Dollar einen Inceptor für ihr Handy reservieren. Die Kampagne läuft noch circa einen Monat lang. Zusätzliche Ressourcen sollen in die Erweiterung des Spieles gesteckt werden.

Die Tactical Map, jene App, über die man mit der Umgebung außerhalb von Kämpfen interagiert, liegt bereits in einer frühen Version für iOS und Android vor.

Die Entwickler betonen selber, dass die Entwicklung eines derart aufwändigen Games mit einigen Risiken und Herausforderungen verbunden ist. Das Geld aus dem Crowdfunding wird auch dafür genutzt, neue Teammitglieder anzuheuern, um die Entstehung des Games zu beschleunigen. Man verspricht, Interessenten regelmäßig auf dem Laufenden zu halten.

Sollte alles bis dahin nach Plan laufen, will man im kommenden Sommer den Egoshooter-Modus implementieren und die Inceptor-Einheiten an die Investoren ausliefern.

foto: father.io

Risiko

Blickt man auf die Geschichte von "Ingress" zurück, dessen Entwicklung für das lange Zeit von Google beheimatete Studio Niantic offensichtlich eine große Herausforderung war, haben sich die Macher von "Father.io" sehr viel vorgenommen. Auch wenn die Vorbereitungen schon länger laufen liegt hier das Risiko, dass das Projekt letztlich scheitert, wohl etwas höher als bei manch anderen Games-Projekten.

Generell sei hier auf das Risiko solcher Crowdfunding-Investments hingewiesen. Als nachrangiger Geldgeber haben Nutzer von Kickstarter oder Indiegogo keinen Anspruch auf die Realisierung der Belohnungen oder Rückerstattung, sollte eine Entwicklung abgebrochen werden. Eine solche wird von den Projektbetreibern zwar manchmal gewährt, allerdings aus Kulanz. (Georg Pichler, 01.03.2016)

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