Jahresmission beendet: Rückflug nach fast einem Jahr auf der ISS

26. Februar 2016, 15:05
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Die beiden Raumfahrer Michail Kornijenko und Scott Kelly kehren Anfang März zurück zur Erde

Moskau/Houston – "Nachrichten von der Erde sind wie ein Hauch frischer Luft, wie Vitamine. Wir sehen sie jeden Abend beim Essen", sagt der Kosmonaut Michail Kornijenko nach fast einem Jahr im All in einer Grußbotschaft von der Internationalen Raumstation ISS.

Dann zeigt er auf seinen US-Kollegen Scott Kelly: "Eine Freundschaft im Weltraum ist für immer." Kelly wirkt gerührt. Seit Ende März 2015 arbeiten die beiden Männer auf der ISS. Am 2. März sollen Kornijenko (55) und Kelly (52) zur Erde zurückkehren.

Dabei wäre er eigentlich auch gerne noch länger geblieben, sagte Kelly per Videoschaltung: "Ich könnte auch noch 100 Tage bleiben, oder auch noch ein Jahr, wenn das sein müsste. Es ist nicht so, dass ich hier schon an den Wänden kratze und es gar nicht mehr abwarten kann."

Test für Marsflug

So lange wie die beiden lebte noch kein Raumfahrer durchgehend auf der Raumsation rund 400 Kilometer über der Erde. Und nun gleich zwei – ein Russe und ein US-Amerikaner, ausgerechnet in der größten politischen Krise der beiden Länder seit dem Kalten Krieg. "Wenn auch die Beziehungen zwischen Russland und den USA einige Schwierigkeiten erlebt haben, wir arbeiten im All erfolgreich Seite an Seite", sagt Kornijenko.

Auf der Erde kontrollieren Mediziner ständig den Zustand der beiden Langzeitraumfahrer, die doppelt so lange im All sind wie andere ISS-Besucher. Die Ärzte sind gespannt, ob die Männer nach der Landung in Kasachstan eigenmächtig ihre Kapsel werden verlassen können. Denn die Jahresmission gilt als Test für einen Flug zum Mars – wo den Ankömmlingen nach monatelanger Reise niemand aus dem Raumschiff helfen wird.

Die ISS sei zwar ein "magischer Ort", aber das Leben dort auch einschränkend und anstrengend, sagt Kelly. "Man fühlt sich nie ganz normal. Dass alles immer schwebt, macht den Alltag sehr viel schwieriger. Und man hat kein fließendes Wasser – ich fühle mich wie nach einem Jahr Camping im Wald."

Körperliche und psychische Probleme

Ein anderes Problem ist der Abbau der Sehqualität. Etwa 70 Prozent der Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der ISS waren und älter sind als 50 Jahre, hätten Sehprobleme, sagt Jörn Rittweger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Viele Brillen mussten nach der Rückkehr angepasst werden – oder erstmals verschrieben werden. Auch Kelly berichtet von Problemen mit den Augen. Ansonsten fühle er sich gesundheitlich aber weitgehend gut.

Im Zentrum der Jahresmission steht aber auch die Frage, ob es zwei Raumfahrer so lange miteinander aushalten. "Wegen der Langzeitisolation kann es zu psychosozialen Problemen kommen", sagt der Moskauer Arzt Juri Bojko. Der Druck während eines Zehn-Stunden-Arbeitstages sei groß, zudem fehle der Kontakt zur Familie. Als privaten Ort hätten die Astronauten nur ihre Schlafkoje. "Am schwierigsten ist es, solange von den Menschen, die einem wichtig sind, isoliert zu sein", berichtet auch Astronaut Kelly.

Zwillingsstudie

Der Kosmonaut Waleri Poljakow aber meint, dass die Probleme zu bewältigen seien. Er muss es wissen: Der Russe stellte 1994/95 auf der sowjetischen Raumstation "Mir" mit 437 Tagen den Rekord für den längsten Nonstop-Raumaufenthalt auf. Für einen US-Amerikaner ist es aktuell die erste Jahresmission überhaupt, zwei Russen hatte dagegen 1987/88 bereits 365 Tage am Stück im Orbit verbracht.

Für Wissenschafter ist Kelly aus einem weiteren Grund besonders interessant: Der Astronaut hat einen Zwillingsbruder, ebenfalls ein früherer Raumfahrer. Für die Forschung stellte Mark Kelly in den vergangenen Monaten den idealen Vergleichsprobanden dar. Gemäß der Relativitätstheorie wird Scott in der rund 28.000 Stundenkilometer schnellen Raumstation um drei Millisekunden weniger altern als Mark. Der Effekt vergrößert den Abstand der beiden noch ein kleines bisschen mehr: Mark ist seinem Bruder Scott ohnehin – geburtsbedingt – um sechs Minuten voraus. (APA, 26.2.2016)

  • Scott Kelly (links) und Michail Kornijenko haben fast ein Jahr auf der ISS verbracht.
    foto: nasa

    Scott Kelly (links) und Michail Kornijenko haben fast ein Jahr auf der ISS verbracht.

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