Mercedes-Benz GLC: Kompakt in die Luft gehen

29. Februar 2016, 12:02
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Der kleinste Stern-SUV ist ein nobler Schmeichler auf der Autobahn leistet sich aber auch am Forstweg keine Schwäche.

Wien/Wechsel – Auf der Tangente, am Freitag beim Rausstauen, werden erste Zweifel wach. Bei der Spielerei mit dem Fahrerlebnisschalter reift der Entschluss, dass die Einstellung Comfort, die beim Starten eh automatisch eingelegt ist, perfekt ist. Bei dem holprigen Belag in Richtung Süden könnte sonst das feine Porzellan, das wir daheim aussortiert haben und mit dem Prädikat "Für auf der Almhüttn is wurscht" versehen haben, einen weiteren als nur den optischen Schaden nehmen.

Fangen spielen

Oben auf dem Berg hat es geschneit, und mit bitterlichem Flehen lässt sich das Herz des Chefs so weit erweichen, dass er fürs Wochenende den Test-7er nimmt und unsereins den Benz für den Hüttenausflug bekommt. GLC. Einstiegsdiesel. Aber das macht nichts, denn schon der hat 170 PS und spielt mit jedem 4er-GTI Abfangen.

foto: andreas stockinger
Lieblingsspielzeug des GLC-Designers dürfte das Kurvenlineal sein,.

Der Sportmodus passt nicht ganz zur Ausstattung des Testwagens mit viel Holz, feinstem Leder und Panoramadach. So viel Luxus harmoniert mit der Comfort-Einstellung. So gibt das Fahrwerk gute Rückmeldungen vom Untergrund, bricht dir aber nicht das Kreuz, die Lenkung ist exakt, aber nicht knochig – und der Motor unterlässt Drehorgien, außer man bittet ihn mit Nachdruck darum.

Sonderprüfung im Tal

Abseits der Autobahn, die Landstraße das Tal entlang, tänzelt der GLC durch die Kurven, dass erst die Teller fliegen.

Was soll man machen, wenn sich vor einem eine Sonderprüfung auftut und man zum Frühstück keine Bachblüten eingeworfen hat? Ist aber eh egal, denn auf dem Forstweg, rauf zur Almhütte, da wird der Rest vom Geschirr auch noch fliegert werden. Wenn wir mit dem GLC überhaupt raufkommen und Mercedes-Benz den Wagen nicht komplett auf Stadt, Straße und Autobahn getrimmt hat, wie es dort den Anschein hat.

foto: andreas stockinger
Die Lieblingsmaterialien des Interieur-Chefs sind wohl Lindenholz und Leder.

Und dann die Überraschung. Ja, es liegt noch Schnee. Nicht so viel, wie wir erwartet hätten, aber doch genug, dass er uns heute noch, oben bei den Schuhen, reinpudeln wird. Und ja, der GLC hat sich gespielt, die Forststraße rauf. Luftfahrwerk, gell?

Mehrkammern-Luftfahrwerk

Auf Knopfdruck streckt der GLC um weitere fünf Zentimeter die Räder aus dem Blechkleid und schwebt regelrecht bergauf, auch durch die Furche, die der erbarmungslos gescheiterte Frontkratzer vor rund einer Stunde gegraben hat. Und wie abgesprochen endet die Opernarie mit unserer Ankunft auf der Hütte, und das Publikum der Staatsoper applaudiert dem GLC über die Burmester-Anlage für seinen Auftritt.

Auf dem Berg haben wir den GLC dann aber weiter hinten geparkt. Elektrische Heckklappe, Sitzheizung und Leder passen nicht zum kargen Almenleben. Das Lindenholz eher. Wenn nur das Chrom nicht so blenden würde. (Guido Gluschitsch, 29.2.2016)

Nachlese:

Mercedes Benz GLE: Rettet den Buckelwal

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Mercedes-Benz

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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