Sitzenbleiber an Volksschule: Inspektor bestreitet Vorwurf

26. Februar 2016, 13:59
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Vier, nicht neun Schüler seien sitzengeblieben, vier würden "freiwillig" wiederholen, sagt der Schulinspektor – Landesschulrat findet Vorgehen der Volksanwaltschaft "befremdlich"

Groß-Siegharts – In der Causa um mehrere Sitzenbleiber an der Volksschule Groß-Siegharts im Waldviertel hat der niederösterreichische Landesschulrat am Freitag auf die Vorwürfe der Volksanwaltschaft reagiert. Vier und nicht neun der 22 Schüler seien in der dritten Klasse nicht zum Aufsteigen in die vierte Schulstufe berechtigt gewesen, heißt es in einer Sachverhaltsdarstellung. Vier weitere wiederholen demnach freiwillig.

Volksanwalt Peter Fichtenbauer hatte von neun Sitzenbleibern gesprochen und ein amtswegiges Prüfverfahren eingeleitet. Laut Pflichtschulinspektor Franz Weinberger sind tatsächlich nur acht Kinder betroffen: Zusätzlich zu den vier Sitzenbleibern wiederholten vier weitere Schüler "auf Antrag der Erziehungsberechtigten die dritte Klasse, obwohl sie zum Aufsteigen in die vierte Klasse berechtigt waren".

Grund für freiwilliges Wiederholen: "Leistungsrückstand"

Begründet wird die freiwillige Wiederholung der Schulstufe in dem Schreiben folgendermaßen: "Damit soll der bestehende Leistungsrückstand aufgeholt werden, der durch Ausschöpfen der dreijährigen Schuleingangsphase vermutlich nicht entstanden wäre – die Eltern hatten damals empfohlene Umstufungen in der ersten und/oder zweiten Schulstufe jedoch abgelehnt."

Für alle unterrichtenden Lehrerinnen waren laut Weinberger Verhaltensprobleme und Leistungsrückstände vieler Schüler "evident, auch belegt durch alljährliche Lesetests und Kompetenzmessungen in Deutsch und Mathematik". In Absprache mit Schulleitung und Schulaufsicht seien Fördermaßnahmen und Unterstützungen organisiert worden. Als zuständiger Pflichtschulinspektor sei er im Schuljahr 2014/15 sieben Mal vor Ort gewesen.

Lehrerin ist "anerkannte Pädagogin"

Weinberger wehrt sich gegen den Verdacht auf Schülerzahlenbeeinflussung: "Es wurde keine Klasse zusammengelegt oder neu gebildet." Die dritte Klasse hatte 22 Schüler, die zweite 13 Kinder. Durch die freiwilligen und gesetzlich notwendigen Wiederholungen sind nun in der vierten Klasse 14 Schüler und in der dritten 20 Schüler.

Dem Zweifel der Volksanwaltschaft an der pädagogischen Befähigung der Lehrerin setzte der Pflichtschulinspektor entgegen, dass es sich um eine "anerkannte kompetente Pädagogin mit langjähriger Berufserfahrung" handle. Sie hatte demnach die Klasse – nach einem krankheitsbedingten Ausfall und Ruhestandsversetzung der bis zum Semester der zweiten Klasse unterrichtenden Lehrerin – erst zu Beginn des dritten Schuljahres übernommen.

Landesschulratspräsident "befremdet" über Fichtenbauer

Der Amtsführende Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates, Johann Heuras, bezeichnete die Vorgangsweise der Volksanwaltschaft als "irritierend und befremdlich": Die Volksanwaltschaft sei mit Vorwürfen via Medien in die Öffentlichkeit gegangen, ohne vorher die Richtigkeit der getätigten Aussagen zu hinterfragen. "Im Vorfeld wurden weder bei der betroffenen Schule, noch beim zuständigen Pflichtschulinspektor oder beim Landesschulrat für Niederösterreich Erkundigungen eingeholt."

Das Vorgehen ziehe "auch einen erheblichen Imageschaden für die betroffene Schule nach sich". Ähnliche Kritik hatte zuvor der Elternverein geäußert. (APA, 26.2.2016)

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